Karina Schönmaier schlug die Hände vors Gesicht und konnte es kaum fassen: Am ersten Gerätfinaltag der Europameisterschaften von Leipzig hat sich die Wahl-Chemnitzerin ihren zweiten Titel und ihre dritte Medaille gesichert. Die 19-Jährige setzte sich am Freitag in der Entscheidung am Sprung mit 13,983 Punkten (14,066/13,50) knapp vor der Bulgarin Valentina Georgieva (13,90) und der Belgierin Lisa Vaelen (13,666) durch.
“Ich lebe gerade meinen Traum, es ist wie im Film”, sagte Schönmaier. “Der Druck heute war sehr hoch, und ich wusste auch, dass noch viele Turnerinnen hinter mir kommen würden. Aber ich habe so viele Menschen um mich herum, die mich unterstützen, und wir haben diese Medaille alle zusammen geholt.”
Die Vorkampfbeste musste als Zweite vor das Kampfgericht treten und zeigte erst einen Jurtschenko mit hoher Doppelschraube und dann einen Omeljantschik, beide nur mit leichten Standfehlern. Die höhere Summe ergab sich, weil Schönmaier sich mit zwei Sprüngen in unterschiedlicher Richtung einen Bonus von zwei Zehnteln verdiente. Danach nahm sie auf dem Podium in der Mitte der mit 5500 Zuschauern ausverkauften Messehalle Platz, auf dem die Führenden so lange warten müssen, bis die Rangliste feststeht. Doch obwohl es auch weitere gute Performances gab, sollte niemand mehr an der sprungstarken Deutschen vorbeiziehen, die zwei Tage zuvor schon zusammen mit dem Ludwigsburger Timo Eder den historischen Mixed-Titel gewonnen hatte. Olympiafinalistin Georgieva machte es ganz am Ende noch einmal sehr spannend, als sie mit ihrer Doppelschraube 14,10 vorlegte. Doch ein Standfehler beim Kasamatsu-Sprung danach (13,70) kostete sie den möglichen Sieg, Schönmaier ist die erste deutsche Europameisterin am Sprung seit 2008, als Oksana Chusovitina der Coup gelang.
Schweren Herzens hatte Schönmaier einen Tag zuvor auf ihren Einsatz im Mehrkampffinale verzichtet, “aber es hat sich gelohnt”, betonte sie. “Es war sehr schwierig, sie davon abzuhalten, noch einmal an die Geräte zu gehen”, erzählte Heimtrainerin Tatjana Bachmayer. “Aber wir haben das nicht für sie entschieden, sondern nur den Vorschlag gemacht, weil wir dachten, das ist von der Belastung her besser für sie. Sie hätte springen können, aber wahrscheinlich nicht so.”
Am Boden hatte es bei den Männern zuvor einen britischen Doppelerfolg gegeben: Luke Whitehouse, der erneut seinen beeindruckenden Dreifachsalto in der ersten Bahn zeigte, verteidigte erfolgreich seinen Titel aus dem Vorjahr mit 14,50 Punkten vor Harry Hepworth (14,366) und dem Italiener Lorenzo Minh Casali (13,966),
Am Pauschenpferd dominierte der Armenier Hamlet Manukyan, der schon den Vorkampf für sich entschieden hatte, mit 14,766, an den Ringen verbuchte Mehrkampf-Europameister Adem Asil seinen zweiten Titel, musste sich diesen aber mit dem Griechen Eleftherios Petrounias teilen (je 14,40). Am Stufenbarren hielt Tokio-Olympiasiegerin Nina Derwael aus Belgien die Konkurrenz mit 14,466 klar auf Distanz.