Vom Bundesfreiwilligendienst in der Deutschen Turnjugend bis ins Kommunikationsteam von Team Deutschland bei Olympischen Spielen: Julia Grebe hat ihren beruflichen Weg im Sport früh eingeschlagen. Im Interview erzählt die ehemalige BFD'lerin, wie sie durch ihren Einsatz beim Deutschen Turner-Bund erste Erfahrungen in der Sportkommunikation sammelte, welche Fähigkeiten sie bis heute begleiten und warum der BFD für sie zum entscheidenden Sprungbrett in eine Karriere im olympischen Spitzensport wurde.
Hi Julia, kannst du dich kurz vorstellen?
Julia Grebe: Ja, ich bin Julia Grebe. Ich habe 2013 mein Abi und dann 2013/14 meinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Deutschen Turnjugend gemacht. Danach habe ich Sportwissenschaften und Internationales Sportmanagement studiert und bin dann über verschiedene Wege beruflich im Sportbereich gelandet, heute bei der Deutschen Sport Marketing (DSM), der Vermarktungsagentur für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dort arbeite ich im Bereich Brand Communication and Content. Wir erwecken die Social Media und digitalen Kanäle von Team Deutschland, Sportdeutschland und teilweise auch von Team Deutschland Paralympics von der Content Produktion bis hin zum Publishing zum Leben.
Hattest du vor deinem Start schon Erwartungen ans BFD?
Julia Grebe: Jein, also ich kannte damals das BFD nicht konkret, weil es noch relativ neu war. Eher bekannt war das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Ich hatte viele Freunde und Bekannte, die ein FSJ gemacht haben, unter anderem im Sportverein. Dadurch hatte ich schon Berührungspunkte und konnte mir grob vorstellen, was man macht: vor allem, dass man aktiv in der Halle steht, dass man Sportangebote mitbetreut, dass man vielleicht auch ein bisschen Organisation und Verwaltung macht, dass es sich so ein bisschen mischt. Was konkret im BFD im Verband auf mich zukommt, war mir aber nicht klar. Ich wusste grob, was der Deutsche Turner-Bund ist, aber nicht, wie die Struktur aussieht, welche Abteilungen es gibt oder wer was macht. Ich habe mich damals informiert und wusste, dass sich die DTJ viel mit Kinder- und Jugendarbeit im Turnen beschäftigt, aber richtig greifbar war das alles für mich noch nicht.
Wie viele BFD'ler*innen wart ihr damals? Haben mehrere mit dir angefangen?
Julia Grebe: Tatsächlich ja. Über den kompletten DTB hinweg waren wir zu sechst: zwei in der DTJ, zwei in der GYMWELT und zwei im Büro des damaligen Generalsekretariats.
Dann wart ihr ja schon eine richtige Gruppe. Hast du heute noch Kontakt zu den anderen?
Julia Grebe: Mit einem habe ich später auch zusammen studiert. Mit einigen weiteren habe ich bis heute Kontakt, wir sehen uns manchmal auf Sport- und Turnveranstaltungen wieder. Mit zwei Mit-BFD'lern habe ich mich sogar spontan bei den Olympischen Spielen in Paris im Deutschen Haus getroffen. Der Kontakt ist also auf jeden Fall geblieben.
Hast du Erfahrungen oder Fähigkeiten aus dem BFD mitgenommen, die dir später geholfen haben?
Julia Grebe: Total. Nach dem Abi war für mich klar: Ich will nicht einfach ein Jahr rumhängen. Ich konnte mir vorstellen, später im Sport zu arbeiten, kannte aber eigentlich nur den Trainerjob in der Halle. Über Bekannte habe ich dann gemerkt, dass man auch anders im Sport arbeiten kann. So bin ich auf ein FSJ/BFD gekommen und wollte testen, ob das Berufsfeld Sport etwas für mich ist. Das Erste, was ich kennengelernt habe, war der 40-Stunden-Arbeitsalltag. Schule ist ein ganz anderes System und der Einstieg ins Arbeitsleben war schon eine krasse Umstellung. Außerdem habe ich gelernt, selbstständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und mich selbst zu organisieren. Man hatte Projekte und Ziele und musste selbst schauen, wie man zum Erfolg kommt. Ein Thema war damals auch schon Social Media. Facebook kam gerade auf, Instagram gab es noch gar nicht. Die BFD'lerin vor mir hatte gerade den Tuju-Facebookkanal angelegt und dann hieß es irgendwann: ‘Du kannst da ja mal was machen.’ Das wurde dann so ein bisschen mein “Baby”. Ich habe durch „learning by doing“ gelernt, kreativ zu arbeiten, Texte zu schreiben und Inhalte umzusetzen. Das ist tatsächlich bis heute geblieben.
Die Grundbausteine wurden also schon damals gelegt.
Julia Grebe: Absolut. Gerade in der DTJ habe ich viel für Magazine und Kindersportbücher geschrieben. Da habe ich gemerkt, dass mir kreatives Arbeiten Spaß macht. Über den Deutschunterricht in der Schule hätte ich das nie entdeckt.
Gab es einen Lieblingsmoment aus deinem BFD?
Julia Grebe: Viele. Vor allem der Zusammenhalt mit den anderen sechs BFD'lern. Wir waren zusammen auf Lehrgängen und Bildungstagen unterwegs und haben uns gegenseitig geholfen. Cool fand ich auch, dass ich durch Projekte viel reisen konnte. Ich habe in meinem BFD einiges von Deutschland gesehen, war bei Landesturnfesten oder Meetings in anderen Städten unterwegs. Vorher kannte ich das gar nicht. Plötzlich hieß es: „Du musst jetzt ein Hotel in Berlin buchen und schauen, wie du hinkommst.“ Das war nach dem Abi einfach auch ein Stück die Welt kennenlernen.
Wart ihr bei Projekten immer zusammen als BFD'ler unterwegs?
Julia Grebe: Unterschiedlich. Ich hatte eher Jugendprojekte in der DTJ, die andere BFD'lerin mehr Kinderprojekte. Manchmal waren wir zusammen unterwegs, manchmal getrennt. Ich weiß noch, ich habe an einem Donnerstag mein BFD begonnen und bin direkt Freitag bis Sonntag nach Berlin auf Dienstreise gefahren. So wurde man schon etwas ins kalte Wasser geworfen.
Hast du nach dem Studium direkt dein Volontariat beim DTB angefangen?
Julia Grebe: Nicht direkt. Im Master musste ich ein Praktikum machen und war dafür bei der Deutschen Sport Marketing GmbH (DSM) in der Kommunikation tätig. Das hat gut gepasst, weil ich durch das BFD schon Erfahrung mit Website und Facebook gesammelt hatte. Nach dem Praktikum bin ich zurück ins Studium, habe meine Masterarbeit vorbereitet und dann gesehen, dass der DTB eine Volontariats Stelle ausschreibt. Ich habe mich beworben und wurde genommen. Parallel habe ich meine Masterarbeit geschrieben. Über die kommunikativen Chancen von Randsportarten bei Multisportevents wie „Die Finals“. Mein Volontariat fiel damals dann genau in die Corona-Zeit. Eigentlich war das Jahr 2020 komplett mit Events durchgeplant und plötzlich wurde alles abgesagt. Stattdessen gab es vermehrt Streaming-Challenges und digitale Formate. Nach knapp zwei Jahren lief das Volontariat aus und ich hatte die Chance eine feste Stelle in der Kommunikation bei der Deutschen Sport Marketing anzunehmen.
Bei welchen Events warst du seitdem für Team Deutschland dabei?
Julia Grebe: Mittlerweile brauche ich mehr als zwei Hände, um das zu zählen. Dazu gehören Olympische Spiele und Winterspiele, aber auch European Youth Olympic Festivals (EYOF), European Games, World Games oder Youth Olympic Games. Eigentlich gibt es kein Jahr ohne Event und dazugehörige Kommunikation. Nachdem ich das BFD gemacht und studiert hatte, hatte ich irgendwann dieses persönliche Ziel im Kopf: einmal bei Olympischen Spielen dabei sein, egal in welcher Rolle. Dann habe ich bei der DSM angefangen und wurde kurz darauf gefragt: „Was hast du im Sommer vor?“ Und durfte dann als Teil von Team D zu meinen ersten Olympischen Spielen nach Tokio mitfahren. Seitdem war ich in Peking, Paris und Mailand/ Cortina ein Teil des Kommunikations-Teams hinter Team Deutschland.
Das ist schon Wahnsinn.
Julia Grebe: Total. Man muss sich manchmal selbst kneifen, um zu realisieren, dass man wirklich bei Olympischen Spielen steht.
Zum Schluss noch eine kurze Frage, Team Mensa oder Team MealPrep in deiner BFD-Zeit?
Julia Grebe: Gemischt. Montags haben wir meistens auf den Speiseplan geschaut und die Highlights, wie Kaiserschmarrn oder Burger rausgesucht. Oft hatten wir aber auch Essen dabei und haben es in der Küche warm gemacht.