Turn-Team Deutschland

Darja Varfolomeev fühlt sich "fast wie im Theater"

Darja Varfolomeev beim Podiumtraining | Foto: Tom Weller

Die Olympiasiegerin schwärmt von der Frankfurter Festhalle, auch wenn im Podiumstraining vor dem WM-Start nicht alles rund lief / Die Bundestrainerin bleibt entspannt

Darja Varfolomeev fühlt sich fast wie im Theater, Lada Pusch empfindet die Atmosphäre als nahezu magisch, Anastasia Simakova ist überglücklich dabei sein zu dürfen – und die Bundestrainerin findet die Halle einfach nur wunderschön. Julia Raskina-Rizzo sieht ihre Athletinnen gut vorbereitet auf das große Heimspiel bei der Weltmeisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik in der Frankfurter Festhalle. Daran ändert auch ein eher durchwachsenes Podiumstraining nichts. Das war für mich keine Überraschung. Das ist oft so, dass das Podiumstraining nicht so gut läuft, erklärte die Bundestrainerin nach der knappen halben Stunde, in der ihre Gymnastinnen ihre Übungen noch einmal auf der Wettkampffläche durchturnen.

Das war alles sehr schnell vorbei. Ich habe gar nicht richtig verstanden, dass das Podiumstraining war, erklärte Darja Varfolomeev, die sich ein bisschen mit dem Mythos der Generalprobe tröstete, in der einfach ein bisschen was schief gehen muss. Die letzte Woche war anstrengend mit Höhen und Tiefen. Ich hoffe, dass es jetzt nur noch oben geht, sagt die Olympiasiegerin, die mit dem Team erst am Montag vom Trainingslager in Kienbaum nach Frankfurt gereist ist, wo sie beim großen Heimspiel natürlich gerne das Dutzend voll machen will. Elf Mal ist die 19-Jährige schon Weltmeisterin geworden, allein fünfmal vor Jahresfrist bei der WM in Rio de Janeiro.

Zwei Tage lang geht es in der Qualifikation am Mittwoch und Donnerstag nun darum, die Basis dafür zu legen. Die internationale Konkurrenz wird aber auch immer stärker, sagt Darja Varfolomeev, die in Frankfurt auch wieder auf die Gymnastinnen aus Russland und Weißrussland trifft. Julia Raskina-Rizzo weiß natürlich, dass ihre Top-Gymnastin im Heimatland unter besonderem Druck steht und dass die Rahmenbedingungen für ein deutsches Team generell etwas anders sind als etwa im fernen Rio. Wir kennen hier alle. Das ist gar nicht so einfach als wenn du irgendwo bist, niemanden kennst und dich auf die Arbeit konzentrieren kannst, sagt die Bundestrainerin lächelnd, die aber nach eigenen Worten nach der Mittagseinheit entspannt blieb: Wir haben ja noch das Abendtraining. Mit letztem Feinschliff in der Trainingshalle, fern der Schweinwerfer und Kameras, die schon das Podiumstraining umrahmten.

Die Wettkampffläche ist wunderschön. Da haben alle einen tollen Job gemacht, schwärmte wiederum Lada Pusch nach dem besonderen Erlebnis in der Festhalle, wo sie mit drei Geräten in der Qualifikation turnen wird: Ball, Reifen, Keulen. Das Podium hat nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe. Man ist schon bisschen aufgeregt. Aber ich versuche, nicht so viel an den Druck zu denken und freu mich einfach, dass ich die Möglichkeit, überhaupt hier sein zu dürfen. Was auch für Anastasia Simakova gilt, die noch einen Tag länger Zeit hat bis zu ihrem Wettkampfeinsatz am Donnerstag mit dem Band.

Allein Darja Varfolomeev wird mit allen vier Geräten in der Qualifikation starten und hat damit auch die Chance und das Ziel, neben dem Finale im Mehrkampf (Freitag) auch in den Entscheidungen an den Einzelgeräten (Sonntag) dabei zu sein. Mit Ball, Keulen und Band holte sie vor Jahresfrist Gold in Rio, mit Ball und Band (neben Mehrkampf) in diesem Jahr auch schon bei der Europameisterschaft in Bulgarien. Bei aller eigenen und äußeren Erwartungshaltung formuliert Darja Varfolomeev in aller Ruhe ihr Motto, das sie schon so oft zum Erfolg führte: Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben und auf das zu konzentrieren, was ich hier mache. Ich versuche aber auch, es zu genießen. In einem Theater, in dem sie in diesen Tagen auf jeden Fall eine Hauptdarstellerin sein wird.