Verband

Ein Zeichen der Vielfalt

Dörte Kuhn
Dörte Kuhn | Foto: Witters GmbH Sportfotografie

Das DTB-Beiratsmitglied für Diversität im Interview

Wir kennen Dörte Kuhn aus Hamburg als engagiertes Mitglied in der Turngemeinde sowie im Breiten- und Freizeitsport. Für die Ausgabe des Ü-MAGAZINs war die Vorsitzende des Verbandes für Turnen und Freizeit (VTF) und Geschäftsführerin der VTF-Bildungswerk gGmbH im Gespräch über ihr Engagement im DTB-Beirat Diversität. Sie erzählt, wie wir uns mehr für Vielfalt und gegen Diskriminierung im Allgemeinen stark machen können. 

Du engagierst dich im DTB-Beirat für „Diversität“. Kannst du kurz beschreiben, welche Funktion der Beirat hat und wie dieser arbeitet?

Der Beirat berät das Präsidium und andere Gremien des DTB bei Fragen zum Thema Vielfalt. Vielfalt ist hier ein breit gefasster Begriff. Wir beschäftigen uns mit allen Dimensionen der Vielfalt, z. B. Herkunft („Integration“), körperlichen und geistigen Merkmalen („Inklusion“) oder geschlechtlicher und sexueller Identität. Wir sind ein rein ehrenamtliches Gremium, das durch das Hauptamt (Corinna Willmes) und ein Vorstandsmitglied (Michaela Werkmann) begleitet wird. Wir treffen uns regelmäßig digital und mindestens einmal im Jahr in Präsenz. Unser Ziel ist es, den DTB, seine Gremien und seine Mitgliedsorganisationen bestmöglich zu unterstützen. Wir wünschen uns, dass Sport für alle überall gelebt werden kann.

Du bist ein Ally. Kannst du kurz erklären, was ein Ally ist und warum es für dich wichtig ist, dich sichtbar für queere Menschen einzusetzen?

Ein*e Ally ist eine Person, die selbst nicht queer ist, sich aber für die Rechte und Anliegen queerer Menschen einsetzt. Ich bin mir meiner Privilegien bewusst. Ich bin weiß, habe studiert, bin finanziell unabhängig usw. Ich gehöre aber aufgrund meiner Identität als Frau und besonders als dicke Frau im Sport in sehr vielen Bereichen auch zu einer marginalisierten Gruppe. Ich kenne daher das Gefühl, „mitgemeint“, aber nicht wirklich gesehen oder mitgedacht zu werden. 

Ich wünsche mir, dass alle Menschen sich im Sport willkommen fühlen. Völlig unabhängig davon, woran sie glauben, wie sie aussehen, wen sie lieben, wer sie sind, woher sie kommen, was sie können usw. Gerade weil ich viele Privilegien habe, möchte ich mich dafür einsetzen, dass queere Menschen in unseren Vereinen willkommen sind, sich willkommen und gesehen fühlen. 

Warum findest du, sollte der Sport auch beim Christopher Street Day (CSD) dabei sein?

Nutzt die Chance! So viel Öffentlichkeit gibt es nur selten für euren Verein oder euren Sport! Die Teilnahme ist ein klares Bekenntnis zu demokratischen Werten. Der CSD ist keine Party-Veranstaltung, auch wenn das auf den ersten Blick so erscheinen mag. Ich war bereits häufiger beim CSD in Hamburg, aber noch nie durfte ich auf einem Wagen mitfahren. Letztes Jahr war es das erste Mal für mich. Auf dem SportPride-Wagen konnte ich das erste Mal die Vielzahl der Plakate und Statements entlang der gesamten Strecke sehen. Es war so beeindruckend und berührend! Ich bin schon oft auf Demos gewesen und auf unzähligen (Sport-)Veranstaltungen, aber es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, dass es wirklich egal ist, wie ich aussehe, was ich anhabe, wen ich liebe usw. Der Umgang untereinander auf dem Wagen, aber auch mit unseren „Wagenengeln“, den Mitlaufenden und den Zuschauenden war so umwerfend offen und herzlich. Dieses Gefühl von „Wir dürfen alle so sein, wie wir sind.“ berührt mich noch immer. 

Wenn sich ein Verein dem Thema „queer“ widmen möchte, aber nicht so wirklich weiß, wie und wo er anfangen kann, was würdest du dem Verein raten?

Sichere Räume für queere Menschen sind wichtig, aber sie sind nicht die alleinige Lösung. Es ist völlig okay, wenn ein Verein kein rein queeres Angebot machen kann oder möchte. Er sollte aber zeigen, dass queere Menschen willkommen sind. Dafür braucht es nicht viel. Geschlechtersensible Sprache, passende Fotoauswahl für die Öffentlichkeitsarbeit (Spielen mit Geschlechterrollen und Klischees) und eine sichtbare Haltung. Hierzu kann z. B. der Pride Month genutzt werden oder auch die Teilnahme am CSD. 

Das Interview führte Christian Rudolph und ist in voller Länge im Ü-MAGAZIN nachzulesen.