Die Finals

Eine WM-Generalprobe zur Prime Time

Darja Varfolomeev gewinnt alle fünf Deutschen Meistertitel in der RSG

In der RSG geht es nicht nur um Deutsche Meistertitel, sondern auch um die Tickets für die Heim-WM – auch für die Olympiasiegerin

Generalprobe, Härtest vor der WM, letzte Möglichkeit der Qualifikation – mehr Prädikate gehen nicht für eine Deutsche Meisterschaft. Entsprechend groß sind Vorfreude und auch Erwartungen vor den Titelkämpfen der Rhythmischen Sportgymnastik. Kein Zufall, dass den Wettkämpfen bei der Programmgestaltung von „Die Finals“ in Hannover die Prime Time zugesprochen wurde. Auch mit Blick auf die Heim-Weltmeisterschaft gut zwei Wochen später in Frankfurt stehen die Gymnastinnen am Samstag und Sonntag im Rampenlicht.

„Das ist der letzte Wettkampf vor den Weltmeisterschaften und für uns alle natürlich ein extrem wichtiger Termin“, erklärt Isabell Sawade als RSG-Teamchefin im Deutschen Turner-Bund. Was bedeutet, dass die Gymnastinnen ihre WM-Übungen präsentieren werden, sich in Hannover aber auch entscheidet, wer überhaupt bei den Titelkämpfen in der Frankfurter Festhalle dabei sein darf. „Die Finals“ sind die zweite und letzte nationale WM-Qualifikation, wobei nicht alle Top-Gymnastinnen bei der ersten starteten.

Darunter Darja Varfolomeev (TSV Schmiden), die in Hannover natürlich die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Als Olympiasiegerin, als elffache Weltmeisterin, als im Mai frisch gekürte Mehrkampf-Europameisterin – und als nationale Ausnahme-Gymnastin, die im Vorjahr alle fünf Deutschen Meistertitel gewann. „Darja wächst in ihren Wettkämpfen, deshalb braucht sie auch solche Wettkämpfe“, sagt Isabell Sawade, die bei der EM in Bulgarien wieder einmal Augenzeugin war, welche Energie die 19-Jährige auch bei ungünstigsten Voraussetzungen auf der Wettkampffläche entwickeln kann: „Es ging ihr nicht gut und wir wussten am Morgen des ersten Qualifikationstages nicht einmal, ob sie starten kann. Und dann steigert sie sich in kurzer Zeit so, dass sie Europameisterin wird.“

Aber auch eine Überfliegerin muss sich ihre WM-Qualifikation noch erarbeiten, woran Isabell Sawade freilich wenig Zweifel hat. Die Teamchefin kann zudem mit guten Perspektiven auf vier weitere Gymnastinnen blicken, die sich mit hoher Leistungsdichte gegenseitig pushen: Anastasia Simakova (TSV Schmiden), Margarita Kolosov (SC Potsdam), Lada Pusch, Viktoria Steinfeld (beide TSV Schmiden). Das Quartett machte bei den Deutschen Meisterschaften im Vorjahr in Dresden alle Medaillen hinter Darja Varfolomeev unter sich aus. Alle vier haben auch schon in internationalen Finals ihre Klasse gezeigt und gehen mit der Aussicht auf eine Heim-WM besonders motiviert in die Titelkämpfe, auch wenn manche Blessur die Vorbereitung erschwerte.

„Für uns ist es generell wichtig, ein Teil der Finals zu sein“, sagt Isabell Sawade zum einen wegen der hohen Qualität der Wettkämpfe: „Das kann man schon mit einem Weltcup vergleichen.“ Mit der Übertragung in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF wächst zudem die öffentliche Wahrnehmung, die sich vor Ort mit hoher Wahrscheinlichkeit auch durch vollbesetzte Tribünen widerspiegeln wird.

Die Hannover ZAG arena wird auch Schauplatz der Deutschen Meisterschaft für Gruppen sein. Das am Nationalmannschaftszentrum Schmiden trainierende Nationalteam wird zwar nicht an der Meisterschaft teilnehmen, in der es ja um den Vergleich der Vereine geht. Aber Hochburgen wie der TV Dahn, TB Oppau oder BTFB Berlin zeigen immer wieder das auch in den Gruppen hohe und stets wachsende Niveau der Rhythmischen Sportgymnastik in Deutschland.

Der Deutsche Turner-Bund präsentiert in Hannover zudem eine Art Weltpremiere: den ersten nationalen Wettkampf für RSG-Duos. „Eine gute Möglichkeit für alle Vereine, die keine Einzelstarterinnen auf Topniveau und nicht genügend Gymnastinnen für eine Gruppe haben“, sagt Isabell Sawade zu dem neuen Angebot, das auch in die sportliche Breite der komplexen Sportart zielt. Angesichts der vielen besonderen Aspekte des zweitägigen Wettkampfprogramms in Hannover sagt sicher nicht nur die RSG-Teamchefin: „Ich freue mich auf die Finals und bin sehr gespannt.“