Über 6.000 Zuschauerinnen und Zuschauer feiern in der ausverkauften ZAG arena die Gerätturnerinnen und -turner bei einem spektakulären Abschluss der deutschen Meisterschaften im Rahmen von Die Finals
in Hannover. Die letzten Titel an den Einzelgeräten holen Helen Kevric (MTV Stuttgart) und Karina Schönmaier (TuS Chemnitz-Altendorf) sowie Marcel Graf (VT Rinteln), Radomyr Stelmakh (SC Cottbus) und Gabriel Eichhorn (MTV Stuttgart). Einen großen Abgang erlebte auch Andreas Toba, der sein Heimspiel mit Bronze am Reck und einer noch wertvolleren Medaille beenden konnte.
Zum Auftakt des letzten Wettkampftages von Die Finals setzte Marcel Graf zum Sprung nach Gold an, den er mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad vollendete. Das Risiko wurde für den Turner vom VT Rinteln, der als einziger Finalist in beiden Sprüngen über der 13-Punkte-Marke lag, belohnt mit einer Endnote von 13,150 Punkten. Womit er einen hauchdünnen Vorsprung hatte auf den Vorkampfbesten Maxim Kovalenko (TV Bous/13,138 Punkte). Die erste Bronzemedaille des letzten Wettkampftages in der ZAG Arena ging an Nils Dunkel vom SV Halle.
Mit Punktgleichheit endete das Finale auf dem Schwebebalken. Pauline Schäfer-Betz (KTV Chemnitz) zeigte auf ihrem Lieblingsgerät wieder ihre Weltklasse. Mit Ausdrucksstärke, Eleganz und Schwierigkeit sammelte die Weltmeisterin bei ihrem kleinen Comeback 13,025 Punkte. Genauso viele wie zuvor Helen Kevric (MTV Stuttgart), die sich aber aufgrund des ein Zehntel höheren Wertes für die Ausführung ihren zweiten Einzeltitel sicherte nach Gold am Tag zuvor am Stufenbarren. Eine Medaille ist natürlich schön. Aber am wichtigsten war für mich, dass ich meinen neuen Abgang hier präsentieren konnte
, erklärte Pauline Schäfer-Betz, die über acht Monate an der Umstellung an dem Schäfer-Salto gearbeitet hatte, den sie nun erstmals im Wettkampf präsentierte. Neben den beiden stand Mehrkampf-Meisterin Silja Stöhr (SG Heddesheim) auf dem Podium, die mit Bronze ihre dritte Medaille am Finals-Wochenende entgegennahm.
Eine klare Angelegenheit war dagegen das zweite Gerätfinale der Männer. Radomyr Stelmakh holte am Barren seinen dritten deutschen Meistertitel nach Gold im Mehrkampf und am Pauschenpferd. Mit 14,200 Punkten lag der Finals-Debütant vom SC Cottbus deutlich vor Titelverteidiger Jonas Eder (MTV Ludwigsburg/13,350) und Glenn Trebing (13,200), der als Lokalmatador natürlich besonders gefeiert wurde von den über 6.000 Zuschauern in der ausverkauften ZAG Arena.
Karina Schönmaier sicherte sich den fünften und letzten Meistertitel, der im Gerätturnen der Frauen vergeben wurde. Die Titelverteidigerin setzte am Boden den goldenen Schlusspunkt mit einem wahren Feuerwerk an spektakulären und schwierigen Sprüngen. Auch wenn sie dabei einmal mit beiden Füßen außerhalb der Umrandung landete, lag die zweifache Europameisterin des Vorjahres am Ende mit 12,925 Punkten knapp vor Mehrkampf-Meisterin Silja Stöhr (12,850) und Jessica Schlegel (TuG Leipzig), die Dritte wurde vor der punktgleichen Madita Mayr (TSV Jetzendorf).
Die ZAG arena wurde kurz danach auch noch einmal zur großen Bühne für Andreas Toba. Der 35-Jährige hatte sich für Die Finals
in seiner Heimatstadt noch einmal fit gemacht und stand nach dem Mehrkampf sogar auf dem Podium mit Bronze dekoriert. Eine weitere Medaille mit besonderem Wert bekam der vierfache Olympia-Teilnehmer schon vor seinem Einsatz am Reck überreicht. Aus den Händen von DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl erhielt Toba die Flatow-Medaille für seine sportlichen Erfolge, aber auch sein gesamtes Wirken für den deutschen Turnsport, in dem er sich auch schon lange als Nachwuchstrainer einbringt. Diese Emotionen, die ich hier erleben durfte, davon werde ich wahrscheinlich noch meinen Enkeln erzählen. Ich bin froh, dass das alles gut über die Bühne gegangen ist und ich jetzt etwas entspannen kann. Ich werde das alles in meinem Herzen behalten
, erklärte der zweifache Vize-Europameister und ergänzte: Voraussichtlich war das mein letzter Abgang bei Deutschen Meisterschaften.
Von Turn-Rentner war aber wahrlich nichts zu spüren, als er seine finale Reckübung präsentierte. Mit 13,375 Punkten reihte er sich punktgleich hinter Routinier Fabian Lotz vom KTV Wetzlar ein. Beide verfolgten dann gebannt den Auftritt von Gabriel Eichhorn (MTV Stuttgart), der in Hannover den goldenen Schlusspunkt setzte. Für den Bruder der deutschen Rekordmeisterin Elisabeth Seitz, die als Co-Kommentatorin in der ARD mitfieberte, war es das erste nationale Gold. Ich habe davon geträumt, es irgendwann mal zu schaffen. Und jetzt hier zu stehen, ist natürlich unglaublich
, sagte der 20-Jährige am Ende einer Meisterschaft auf großer Bühne, mit großem Publikum, großen Emotionen und großem Turnsport an den Geräten.