Turn-Team Deutschland

Gefühls-Mix im Jubelorkan der Festhalle

Lada Pusch in der Qualifikation RSG-WM 2026 | Foto: Tom Weller

Euphorische Fans feiern Darja Varfolomeev und sorgen für „Chaos im Kopf“ bei Lada Pusch

Wie soll sich eine Stimmung noch steigern lassen, die eine riesige Arena ohnehin schon beben lässt? Mit dem Auftritt von Darja Varfolomeev! Schon ihr Empfang in der Frankfurter Festhalle war ohrenbetäubend, und beim Abgang nach zwei starken Übungen wurde es noch lauter. „Ich bin sehr glücklich, dass die Leute mit mir fiebern. Das gibt mir ganz viel Ruhe und ein gutes Gefühl, dem Publikum zeigen zu können, was sie von mir erwarten“, erklärte die Olympiasiegerin der Rhythmischen Sportgymnastik nach ihrem fulminanten Start in die Qualifikation der Weltmeisterschaften. Tatsächlich blieb „Dascha“ in dem akustischen Chaos die Ruhe selbst, aus der sie sich auch durch einen Fehlstart nicht bringen ließ.

Denn erstmals in ihrer internationalen Karriere startete sie in eine Übung, bevor die Musik begann. Auch das eine Folge der mächtigen Klangkulisse, weil sie ein dem Startsignal ähnlicher Ton irritiert hatte. Aber im zweiten Anlauf klappte alles und die elffache Weltmeisterin konnte nach ihrem Auftritt – natürlich ganz entspannt – sagen: „Es waren nicht die perfekten Übungen. Aber der erste Tag ist geschafft und ich bin zufrieden.“

Das mit dem Grad der Perfektion sah manch Beobachter auf den Rängen sicher anders angesichts der Extraklasse, mit der Darja Varfolomeev ihre Übungen mit Ball und Reifen präsentierte und auch mit der höchsten Gesamtnote des Tages belohnt wurde. 

„Hier geht einfach ein Kindheitstraum für mich in Erfüllung, so etwas live sehen zu dürfen“, schwärmte etwa Natalie Tag auf den mit 3300 Zuschauerinnen und Zuschauern besetzten Rängen noch lange nach dem Auftritt der deutschen Ausnahme-Gymnastin. Die Trainerin vom TV Eschborn war früher selbst aktiv und nutzt die WM in Heimatnähe zum fast täglichen Besuch der Festhalle. Begleitet von ihren Turnerinnen, von denen einige als Volunteers bei der WM helfen, und die junge Allegra einfach nur staunte: „Das ist gigantisch.“

Drei Reihen weiter vorne hatte eine besondere Gruppe für Stimmung gesorgt mit lautstarker Anfeuerung und einem schwarz-rot-goldenen Banner mit der Aufschrift: „Lada push to he Top.“ Ein Namens-Wortspiel mit familiärem Hintergrund, denn zur Fangruppe gehörte Katharina Pusch, deren Tochter Lada mit einem ähnlichen Jubelorkan empfangen worden war wie ihre erfolgreiche Teamkollegin (deren Eltern übrigens gleich daneben saßen). „Es war schon stark, auch wenn sie sich sicher noch etwas mehr vorgenommen hatte“, beschrieb Mama Pusch das, was ihre Lada kurz zuvor als „ein bisschen Chaos im Kopf“ definiert hatte.

Durchgerüttelt vom Wechselbad der Gefühle, das sie bei ihrem WM-Debüt gerade erlebt hatte. „Natürlich bin ich traurig, dass nicht alles so geklappt hat wie erhofft. Aber ich fand es richtig, richtig toll, wie mich das Publikum angefeuert hat. Das war wunderschön, zu sehen, wie viele deutsche Flaggen im Publikum sind, und zu hören, wie viele Leute meinen Namen schreien und hinterher sagen: Du hast es trotzdem super gemacht.“

So beschrieb Lada Pusch ihren emotionalen Mix mit spürbarer Begeisterung, obwohl ihr erst der Reifen aus der Hand gerutscht und beim letzten Risikoelement der Ball sogar von der Fläche gerollt war. Patzer in ansonsten starken Übungen mit trotz der Frustmomente souveränen Abschlüssen. „Am Anfang der Reifenübung spürte ich tatsächlich das Gefühl: Wow, jetzt geht es los“, blickte Lada Pusch noch einmal auf den Moment ihrer euphorischen Begrüßung durch die Fans in der Festhalle.

Den sie am Donnerstag noch einmal erleben darf, wenn sie ihre Übung mit den Keulen präsentiert. Und auf den sich auch Anastasia Simakova freuen kann, die am zweiten Tag der  Qualifikation als dritte deutsche Gymnastin zu sehen sein wird. Dass sie den zweiten WM-Starplatz quasi mit Lada Pusch teilt und nur mit dem Band im Einsatz ist, sieht die 19-Jährige nicht als Nachteil: „So kann ich mich ganz auf ein Gerät konzentrieren.“ Wobei beide Gymnastinnen immer wieder betonen, wie glücklich sie sind, überhaupt bei der Heim-WM dabei zu dürfen. Ein in der Karriere einer Sportgymnastin meist einmaliges Erlebnis, das durch ein euphorisches Publikum in einer außergewöhnlichen Location noch unvergesslicher gemacht wird.