Darja Varfolomeev zeigt zum Abschluss der Deutschen Meisterschaften ihre nationale Extraklasse, auch wenn die WM-Generalprobe kleine Goldkratzer hat. Die nutzen Lada Pusch und Viktoria Steinfeld für Gold mit Einzelgeräten.
Mit insgesamt drei Deutschen Meistertiteln hat sich Darja Varfolomeev auf das große WM-Heimspiel in drei Wochen eingestimmt. Doch ein bisschen musste sich die Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik auch mit der Weisheit trösten, dass in einer Generalprobe auch was schiefgehen muss. Mit Reifen und Ball demonstrierte sie ihre nationale Ausnahmestellung in einer Qualität, die auch die internationale Konkurrenz beeindrucken dürfte. Doch die Keulen und auch das Band wollte sie bei den Gerätefinals zum Abschluss der Deutschen Meisterschaften im Rahmen von Die Finals
nicht komplett in den Griff bekommen. Natürlich war das nicht optimal und ich habe ein paar Fehler gemacht
, erklärte die elffache Weltmeisterin am Ende zweier intensiver Wettkampftage: Aber das ist nicht dramatisch, denn es ist ja noch ein bisschen Zeit bis zur WM. Ich bin überzeugt, dass ich bis dahin insgesamt noch sicherer werde.
Ein Höhepunkt war auf jeden Fall die Übung mit dem goldenen Ball, der sich abseits der Wurfelemente scheinbar gar nicht von ihren Körper lösen konnte und den Darja Varfolomeev in faszinierenden Bahnen an und um sich rollen ließ. Mit 30,700 Punkten toppte sie noch einmal ihre Vorkampfwertung und legte 3,7 Punkte Abstand zwischen sich und ihre Freundin Margarita Kolosov (SC Potsdam). Die Olympia-Vierte konnte sich über ihre erste Medaille dieser Meisterschaft freuen nach einer Übung, in die sie sicher auch viel Frust über die verpasste WM-Nominierung packte. Dahinter holte die junge Lisa Maria Garac (TSV Schmiden/26,850) gleich bei ihrer ersten Teilnahme an deutschen Meisterschaft der offenen Altersklasse Bronze.
Lada Pusch wurde dagegen wenige Stunden nach ihrer WM-Nominierung das letzte Element zum Verhängnis, als sie den Ball nach einem Wurf nicht unter Kontrolle bekam und dieser knapp über den Rand der Wettkampffläche rollte. Besser lief es für Lada Pusch zum Auftakt mit dem Reifen. Beim Dreifachsieg für den TSV Schmiden kam sie mit 29,050 Punkten Darja Varfolomeev (30,650 Punkte) am nächsten. Platz drei ging hier an Viktoria Steinfeld für eine Übung, die mit 28,400 Punkten bewertet wurde.
In der nächsten Runde hatte Lada Pusch nicht nur alles im Griff, sondern ihren ganz großen Auftritt. Mit den Keulen zeigte sie eine nahezu perfekte Übung und erhielt erstmals in ihrer Karriere und als einzige Gymnastin neben Darja Varfolomeev bei Die Finals
eine Dreißiger-Wertung. Mit genau 30.000 Punkten wurde sie erstmals Deutsche Meisterin, auch weil Deutschlands beste Gymnastin hier den Tiefpunkt der Titelkämpfe erlebte. Dreimal fielen die Keulen unplanmäßig zu Boden, so dass Darja Varfolomeev entsprechend enttäuscht abging und einen für sie lange nicht mehr gekannten Moment erlebte. Hinter ihrem Namen tauchte nur Positionsnummer fünf auf. Mit 26,600 Punkten war sie weit weg von der Siegnote von Lada Pusch und auch den 29,100 und 27,600 Punkten, die für Viktoria Steinfeld und Lisa Maria Garac Silber und Bronze wert waren.
Auch das Band entzog sich zweimal dem Zugriff von Darja Varfomoleev, wobei eine ansonsten starke Übung noch die Bronzemedaille sicherte. In einem packenden Dreikampf um die Medaillen, in dem 0,3 Punkte über die Farbe entschieden. Lada Pusch stand mit 27,600 zum insgesamt vierten Mal (nach Silber im Mehrkampf) auf dem Podium. Für Viktoria Steinfeld endete eine im Mehrkampf eher enttäuschende Meisterschaft mit einem goldenen Trost für die verpasste WM-Nominierung. Mit 27,750 Punkten sicherte sie sich den Titel mit dem Band und die insgesamt dritte Medaille.
Die dritte WM-Starterin neben Darja Varfolomeev und Lada Pusch wird Anastasia Simakova (TSV Schmiden) sein. Die Mehrkampf-Zweite fehlte jedoch bei den Einzelfinals, weil sie nach den hohen Belastungen der letzten Wochen für das große Heimspiel geschont wurde. Denn es dauert nicht lange, bis für die deutschen Gymnastinnen die nächsten intensiven Wettkampftage anstehen. Und in der Frankfurter Festhalle sollen ja weitere goldene Momente folgen.
Für goldene Momente sorgte auch die Gruppe des TV Dahn mit der letzten Wettkampfübung der Meisterschaft in der ZAG arena. Gold waren die Reifen und Keulen, Gold waren Teile ihrer Anzüge, Gold war schließlich auch die Farbe der Medaille. Die Serienmeisterinnen versöhnten sich damit selbst für die Plätze zwei und drei im Mehrkampf und mit den Bällen, wo die Titel jeweils an das Quintett der Berliner Turn- und Freizeitsport Bundes gingen. Die weiteren Medaillen in den Einzelfinals sicherte sich die Gruppe des TB Oppau.
Kristina Starykh und Anastasia Stroh vergoldeten wiederum ihre Sammlung mit drei besonderen Medaillen. Das Duo vom TV St. Wendel gewann bei der Meisterschafts-Premiere dieser Wettkampfform nach dem Mehrkampf auch die Gerätefinals mit Bällen und Reifen. Den ersten Platz mit dem Reifen teilten sie sich mit dem Duo des TSV Bayer Leverkusen, das mit dem Reifen Zweiter wurde. Die Bronzemedaillen gingen an den TV Wetzgau (Reifen) und die Gundelfinger Turnerschaft (Bälle).