In Deutschland engagieren sich rund 29 Millionen Menschen für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft. Rund acht Millionen Engagierte sind, laut dem Deutschen Olympischen Sportbund, dabei im Bereich Sport und Bewegung aktiv und sorgen tagtäglich dafür, dass speziell der organisierte Sport für alle erlebbar ist und bleibt. Um dieses ehrenamtliche Engagement zu würdigen und anzuerkennen, findet jedes Jahr am 5. Dezember der Internationale Tag des Ehrenamtes statt.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren
, sagt Dr. Claudia Pauli, Vizepräsidentin im Deutschen Turner-Bund als Einstieg in das Interview zum Internationalen Tag des Ehrenamts.
Welche Bedeutung hat der „Internationale Tag des Ehrenamts“?
Dieser Tag rückt freiwilliges Engagement in besonderer Weise in den Fokus. Das ist gut und wichtig, denn vielfach wird das, was ehrenamtlich Tätige tun, gewissermaßen als „selbstverständlich“ erachtet. Aber das ist es keinesfalls. Die Arbeit, die in Deutschland unentgeltlich geleistet wird, ist unbezahlbar. Ohne die zig Tausend Ehrenamtlichen, die sich täglich – z. B. eben in der Turnbewegung – engagieren, wäre sehr vieles, was uns begeistert und in Bewegung bringt, nicht möglich. Ein solcher Tag ist daher auch eine wunderbare Gelegenheit, um all diesen Personen explizit DANKE zu sagen. Grundsätzlich sollte dies allerdings nicht an einem Datum festgemacht werden, sondern die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sollten viel häufiger erfahren, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird.
D. h., es kommt oftmals zu selten zum Ausdruck, dass das, was ehrenamtlich geleistet wird, wichtig ist für die Gesellschaft?
Definitiv! Dabei ist es im Hinblick auf langfristiges Engagement von großer Bedeutung, dass die betreffenden Personen Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Um freiwillig Engagierte möglichst langfristig dazu zu motivieren, Tätigkeiten im Verein und/oder Verband zu übernehmen, ist es wichtig, ihnen regelmäßig zu verdeutlichen, dass ohne ihren Einsatz im Verein oder Verband in vielerlei Hinsicht „ärmer“ wäre. Denn Menschen, die immer wieder in irgendeiner Form spüren, dass ihre Unterstützung wertvoll ist, sind insgesamt über einen längeren Zeitraum motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das bedeutet somit: Wertschätzung ist nicht nur punktuell wichtig, sondern sie muss kontinuierlich zum Ausdruck gebracht werden.
Wie kann Wertschätzung geäußert werden?
Wertschätzung kann auf vielfältige Weise zum Ausdruck kommen. Dabei können schon kleine Gesten Großes bewirken. Um einer Person, die sich engagiert, bestmöglich zu zeigen, dass sie mit ihrer Arbeit gesehen wird und man ihre Tätigkeit als sehr bedeutsam für den betreffenden Verein, den Verband o. Ä. erachtet, ist es wichtig zu wissen, aus welchen Gründen sich die jeweilige Person engagiert. Das können z. B. soziale Motive sein, d. h. der Wunsch, Teil einer Gemeinschaft zu sein, neue Menschen kennenzulernen und Verbindungen zu knüpfen, aber auch persönliche Motive, d. h., jemand hat das Bedürfnis, sich selbst zu verwirklichen und seine persönlichen Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus gibt es weitere Motive, weshalb man sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringt. Auch Anerkennung spielt dabei oftmals eine Rolle, d. h. jemand übernimmt eine Aufgabe, weil er den Wunsch hat, durch das Engagement Wertschätzung und Respekt zu erfahren.
Wie viele Menschen engagieren sich in Deutschland eigentlich in etwa im Sport?
Der Sportbereich ist der Bereich, in dem Engagement am stärksten ausgeprägt ist. 2019 z. B. brachten sich 13,5 Prozent der Über-14-Jährigen freiwillig im Sportbereich ein. Die Bereiche auf den Plätzen zwei und drei in dieser Statistik, Kultur und Musik sowie der soziale Bereich, folgen mit deutlichem Abstand (8,6 bzw. 8,3 Prozent). Der Sportentwicklungsbericht 2020–2022 zeigt auf, dass es alles in allem rund 8,7 Millionen Engagierte im Bereich Sport und Bewegung gibt.
Wo kann man sich im Turnen überall engagieren?
Es gibt – gerade auch in der Turnbewegung – so viele Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren! Gleichzeitig ist für jeden etwas Passendes dabei: Während manche Personen sich gerne für ein Amt zur Wahl stellen oder eine Lizenz (z. B. auch als Kampfrichterin oder Kampfrichter) erwerben und damit zugleich signalisieren, dass sie sich längerfristig engagieren möchten, wollen andere sich lieber punktuell einbringen. Alles ist ungemein wertvoll und trägt dazu bei, dass z. B. Veranstaltungen oder Wettkämpfe durchgeführt werden können, der Verein oder Verband attraktiv für Mitglieder bleibt und die jeweilige Sportorganisation letztlich überhaupt existieren – und damit wertvolle Arbeit für die Gesellschaft leisten – kann.
Wichtig ist aus meiner Sicht bei allem nicht zuletzt, dass man als Verein oder Verband Möglichkeiten schafft, damit sich speziell auch der Nachwuchs engagieren und eigene Ideen umsetzen kann. Wer Kindern und Jugendlichen den Raum gibt, Erfahrungen in dieser Hinsicht zu sammeln, sich auszuprobieren, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst etwas zu bewegen, tut zum einen den Heranwachsenden etwas Gutes: Schließlich tragen all diese Erlebnisse zur Persönlichkeitsentwicklung bei.
Auch dem Bundespräsidenten ist es wichtig, ehrenamtliches Engagement zu würdigen: 2026 gibt es erstmalig bundesweit einen „Ehrentag“. Was ist darunter zu verstehen?
Der „Ehrentag“ wird zum ersten Mal am 23. Mai 2026 durchgeführt. Dieses Datum wurde bewusst ausgewählt, weil es sich um den „Geburtstag“ des Grundgesetzes handelt. Demokratische Staaten wie der deutsche Staat zeichnen sich u. a. dadurch aus, dass es viele Menschen gibt, die sich für die Gesellschaft engagieren. Dies soll mit dem „Ehrentag“ gewissermaßen feiert werden. Begegnung und gemeinsames Tun stehen an jenem Tag im Mittelpunkt. Daher soll es bundesweit möglichst viele Aktionen geben, bei denen Menschen zusammenkommen. Vereine, Verbände, Unternehmen, Kommunen etc. können Aktionen, die sie für den 23. Mai 2026 geplant haben, auch bereits anmelden: Möglich ist dies im Internet unter https://www.ehrentag.de, wo es auch zahlreiche weitere Informationen über den „Ehrentag“ gibt. Es wäre natürlich toll, wenn auch viele Turnfreundinnen und Turnfreunde mitmachen und so das vielfältige Engagement im Turnsport in besonderer Weise sichtbar machen würden!