Die Italienerin Manila Esposito hat ihren Titel als Europameisterin im Mehrkampf der Turnerinnen souverän verteidigt. Vor 5500 Zuschauern in der ausverkauften Leipziger Messehalle eins triumphierte die 18-Jährige mit 54,965 Punkten vor der Spanierin Alba Petisco (53,265), die damit die erste EM-Vierkampfmedaille für ihr Land überhaupt holte, und der Rumänin Ana Barbosu (52,299). Bei ihrer abschließenden Kür am Boden begleitete die neue und alte kontinentale Königin rhythmisches Klatschen. Lange musste sie danach auf ihre Wertung warten, weil danach noch ein am Ende erfolgloser Einspruch gegen die Note von Barbosu lief.
Janoah Müller, die am Montag mit dem deutschen Team Silber geholt hatte, beendete den Vierkampf mit 49,132 Punkten auf Rang 20. Die Stuttgarterin Helen Kevric, die als Vorkampfdritte mit großen Medaillenhoffnungen in die Entscheidung gestartet war, schied bereits nach dem ersten Gerät verletzungsbedingt aus. Einer ersten Untersuchung nach zog sich die 17-Jährige eine Kniescheibenbandverletzung zu, wie Bundestrainer Gerben Wiersma in der Mixed Zone erklärte. Sie werde für eine genauere Diagnose und die Reha nach Hause zurückkehren. “Sie wird definitiv auch im Barrenfinale nicht antreten”, betonte der Niederländer. “Es tut mir sehr leid, dass die EM für sie so endet.”
Der Wettkampf hatte so aus deutscher Sicht denkbar schlecht begonnen. Kevric, die wie alle anderen Topturnerinnen der Qualifikation am Sprung beginnen musste, griff sich nach der Landung ihres Jurtschenko mit doppelter Schraube ans linke Knie, ließ sich auf den Rücken fallen und blieb liegen. Kurz darauf wurde sie aus der Halle getragen. Der Wettkampf war für die 17-Jährige damit beendet. Zur Abklärung befand sich Kevric kurz darauf bereits auf dem Weg ins Krankenhaus.
Janoah Müller, die in diesem Medaillenkampf Mixed-Europameisterin Karina Schönmaier ersetzte, weil diese sich für die noch anstehenden Finals an Sprung und Boden schonen sollte, ließ sich davon nicht beeindrucken und zog ihre Stufenbarrenübung gut durch (12,866). Doch am Schwebebalken musste die Pfälzerin gleich beim Aufgang absteigen (10,933). Am Boden hatte sich die 17-Jährige aber wieder gefangen (12,60), und am Sprung zeigte sie zum Abschluss einen ordentlichen Jurtschenko mit ganzer Schraube (12,733).
“Das war heute ein Wahnsinnsgefühl”, sagte Müller. “Die Halle war so laut, und am Boden haben alle meine Übung angeschaut. Das war ein Gänsehautmoment, und ich hoffe, dass ich das in meiner Karriere nochmal erleben darf.” Die Verletzung ihrer Teamkollegin habe sie mitbekommen. “Aber ich musste versuchen, mich auf meine Barrenübung zu konzentrieren, auch wenn man natürlich mitleidet.”