Freitag, 11. September 2026, kurz vor 10 Uhr in Neuwied-Niederbieber: Die Anspannung liegt in der Luft – gleich geht es los. Alle Spieler*innen stehen in den Startlöchern und können es kaum abwarten, endlich aufs Spielfeld zu dürfen und um den Meistertitel im Mixed zu kämpfen. Illustriert wird die Stimmung passend durch die Klänge von Europes „Final Countdown“, während die Vereine einlaufen.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des TuS Rodenbachs, Jörg Schmitz, und den Bürgermeister der Stadt Neuwied, Peter Jung, eröffnete der stellvertretende TK-Vorsitzende die 77. Deutschen Meisterschaften. Pünktlich um 10:30 Uhr flogen sodann die ersten Ringe über den Sportplatz in Niederbieber.
Maurice Binder und Naemi Singrün holen Mixed-Gold
Eine besondere Geschichte schrieb Maurice Binder (TV Kieselbronn) im Mixed der Meisterklasse. Dreimal in Folge stand der 24-Jährige bereits im Finale – 2023 noch an der Seite von Elisa Kolonko, seitdem gemeinsam mit WM-Partnerin Naemi Singrün. Doch dreimal reichte es knapp nur für Silber. In allen anderen Disziplinen konnte er sich bereits die Goldmedaille sichern. Dieser Fluch ist nun gebrochen: In einem hochklassigen Finale bezwang das Kieselbronner Duo die Vereinskolleg*innen Kaja Stöhrer/Timo Hufnagel mit 13:09. Damit komplettiert Binder endlich seinen goldenen Medaillensatz.
Tammo Lins gewinnt dritten Einzeltitel der Jugend in Folge
Bereits 2024 beeindruckte Tammo Lins (TG Groß-Karben), als er erstmalig in der Jugend 15-18 starten musste und direkt den Titel gewann. Im Folgejahr verteidigte er erfolgreich seinen Titel. Auch in diesem Jahr marschierte er ohne nennenswerte Probleme durch ins Finale, wo er erneut auf Teamkollege Ben Hladjk traf. Nach einem spannenden und knappen ersten Viertel konnte sich Lins einen soliden Vorsprung erspielen, den ihn in eine optimale Ausgangslage für die zweite Halbzeit brachte und welchen er souverän bis zum Spielende halten konnte. Damit gewinnt der 17-jährige zum dritten Mal in Folge den Deutschen Jugendmeistertitel und hat im kommenden Jahr die Chance, die Serie mit seinem vierten Titel perfekt zu machen.
Neben der Jugend lag das Augenmerk vor allem auf der Meisterklasse, da neben dem U23-WM-Kader auch der A-Kader für die WM nominiert werden sollte. Dass die amtierenden Einzel-Weltmeister*innen Henrike Jansen (TGGK) und Maurice Binder (TVK) dabei sein würden, stand außer Frage – mit ihren jeweils dritten Einzeltiteln machten sie den Sack jedoch endgültig zu. Jansen behielt im Finale gegen Valerie Häßlich (SG Suderwich) die Oberhand, die sich zuvor im Halbfinale gegen die spätere Bronze-Gewinnerin Naemi Singrün behauptet hatte. Bei den Herren zog Binder souverän ins Endspiel ein und schlug Hendrik Freitag (TGGK) deutlich mit 38:22. Platz drei sicherte sich Maximilian Speicher (TV Rübenach).
Favoritensiege im alternierenden Doppel
Im alternierenden Doppel bot sich für die Kadersportler*innen die letzte Gelegenheit, ihre Fertigkeiten vor der Nominierung unter Beweis zu stellen. Bei den Frauen bezwangen die Favoritinnen Henrike Jansen/Sarah Engelken (TGGK) im Finale die Titelverteidigerinnen Michaela Güthling/Valerie Häßlich (SGS) deutlich. Beide Duos hatten zuvor ihr Halbfinale jeweils knapp gegen Naemi Singrün/Lydia Schidelko sowie Kaja Stöhrer/Elisa Kolonko (beide TVK) für sich entschieden. Letztere sicherten sich im kleinen Finale Bronze.
Auch bei den Männern verlief der Wettbewerb ähnlich dramatisch: Timo Hufnagel/Maurice Binder (TVK) zogen mit lediglich zwei Ringen Vorsprung gegen Jan Langner/Sven Reichenberg (SKG Roßdorf) ins Endspiel ein. Ihre Kontrahenten Alexander Wiß/Maximilian Speicher (TVR) behaupteten sich im Halbfinale mit nur einem Punkt Vorsprung vor Hendrik Freitag/Ben Hladjk (TGGK). Das Finale entschieden schließlich die Kieselbronner für sich, was Binder/Hufnagel die dritte gemeinsame Goldmedaille bescherte. Den Rübenacher holen wie im Vorjahr Silber.
Zweiter Meistertitel für Tregel/Schulteß im klassischen Doppel
Linkshänder*innen sind selten im Ringtennis und begehrte Doppelpartner*innen. In klassischen Doppeln und Mixed-Doppeln ist es von Vorteil, wenn beide Spieler*innen dadurch ihre starke Hand in der Mitte des Spielfelds haben und sich perfekt ergänzen können. Im Männerfinale der Meisterklasse trafen gleich zwei Mannschaften mit je einem Linkshänder aufeinander: Die Deutschen Meister von 2024, Thomas Tregel/Felix Schulteß (SKG), und die amtierenden Vizemeister Alexander Wiß/Maximilian Speicher (TVR). Noch ein Jahr zuvor hatten sie sich in einem nervenaufreibenden Halbfinale in der Verlängerung mit 04:05 voneinander getrennt. In diesem Jahr stand es bereits in der ersten Halbzeit 04:00 für das Roßdorfer Doppel – ein Vorsprung, der aufgrund des sehr defensiven Spiels beider Mannschaften schwer aufzuholen war. Rübenach spielte in der zweiten Halbzeit daher deutlich offensiver, konnte jedoch nicht mehr aufholen, sodass sie am Ende mit 06:14 unterlagen.
Im Finale der Frauen konnten Henrike Jansen/Sarah Engelken (TGGK) das Blatt wenden, nachdem sie in der ersten Halbzeit gegen Michaela Güthling/Alexandra Krah (SGS) zurückgelegen hatten.
Karben gewinnt Medaillenspiegel zum fünften Mal in Folge
Bereits zum fünften Mal in Folge gewinnt die TG Groß-Karben den Medaillenspiegel der Deutschen Meisterschaften (14x Gold, 13x Silber, 12x Bronze). Auf Platz zwei, mit neun Goldmedaillen, folgt die SKG Roßdorf und der TV Kieselbronn landet dank seiner vier Goldmedaillen auf dem dritten Platz.
Im kommenden Jahr finden die Deutschen Meisterschaften vom 10. bis zum 12. September im Zahlwaldstadium in Roßdorf statt. Vielleicht gelingt es der SKG Roßdorf vor Heimpublikum, die Serie der TG Groß-Karben zu brechen - es bleibt spannend.