Turn-Team Deutschland

DTB-Turner verpassen EM-Medaille nur knapp

Beim Triumph Großbritanniens buchen Toba, Eder und Dunkel fünf Einzel-Finaltickets

Die deutschen Turner sind bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig nur knapp an einer Teammedaille vorbeigeschrammt. In der spannenden Mannschaftsentscheidung am Dienstagabend erkämpften sich Nils Dunkel, Timo Eder, Milan Hosseini, Dario Sissakis und Andreas Toba mit überwiegend stabilen Vorträgen und 242,595 Punkten den vierten Platz und verbesserten sich damit deutlich im Vergleich zu den Titelkämpfen 2024 in Rimini, als sie es als Neunter nicht in die Top acht geschafft hatten. Der Sieg ging an den Vorjahreszweiten Großbritannien (247,528) vor der Schweiz (245,727) und Italien (242,826). 

Zudem buchten die Vertreter des Deutschen Turner-Bundes (DTB), zu denen auch noch Einzelstarter Glenn Trebing zählte, im letzten von drei Durchgängen fünf Einzel-Finalplätze. Der Hannoveraner Toba durfte sich bei seinem Abschied von der großen internationalen Bühne über das Ticket für die Reck-Entscheidung freuen, Timo Eder und Nils Dunkel sind sowohl im Medaillenkampf am Barren als auch im Mehrkampffinale dabei. Zudem werden die Chemnitzerin Karina Schönmaier und Timo Eder Deutschland im Mixed-Wettbewerb am Mittwoch vertreten.

Milbradt zieht den Hut vor den “Jungs”

“Hätte man mir vorher gesagt, dass wir Vierter werden, wäre ich total zufrieden gewesen und bin es jetzt auch”, sagte der neue Bundestrainer Jens Milbradt, der erstmals bei einer internationalen Meisterschaft bei den Aktiven die Verantwortung trägt. “Die Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Wir sind ohne größeren Fehler in der Teamwertung durchgekommen und waren so stabil, wie wir es in den Vorkämpfen nie gewesen waren. Da kann man nur den Hut vor den Jungs ziehen, die von der ersten Übung an gekämpft haben.” Ein Sonderlob zollte Milbradt Toba, der bei drei Geräten zweimal den Bestwert in der deutschen Mannschaft geliefert hatte. “Dass er jetzt noch mal die Möglichkeit hat, am letzten Tag am letzten Gerät noch einmal am Reck eine Übung zu präsentieren als Abschluss seiner grandiosen Laufbahn, ist aus meiner Sicht ein Riesenhighlight.”

Mit “aufgeregter Dankbarkeit” war Toba in den Wettkampf gegangen, fühlte sich frei im Kopf und “konnte alles kontrollieren”. Er habe nach der Reckübung nicht einschätzen können, ob es fürs Finale reichen würde. Umso mehr freute sich der Silbermedaillengewinner von 2021 über die Verlängerung seiner Karriere. Das Teamergebnis allerdings fand er “bitter”. 

Aktivensprecher Nils Dunkel sagte: “Die eine Hälfte von mir lacht, die andere ist traurig.” Der vierte Platz sei nun mal die Holzmedaille. Aber das Team habe eine super Leistung gebracht, “darauf bin ich stolz”. Persönlich wäre der EM-Dritte von 2022 lieber ins Pferd- als ins Barrenfinale eingezogen, “aber dafür hätte ich eine perfekte Übung gebraucht”. 

Eder zeigte sich trotz seiner erreichten Finalteilnahmen erst mal enttäuscht. “Wir wussten, dass wir ein starkes Team sind und Chancen auf eine Medaille haben”, sagte der Youngster. “Mit dem Barrenfinale habe ich nicht gerechnet, und ich werde probieren, die Leistung noch mal so abzurufen." Den Mehrkampf werde er versuchen ”mit so wenig Nervosität wie möglich zu turnen". 

Bis Boden auf Rang drei

Die DTB-Riege stieg vor 1597 Zuschauern in der Messehalle eins an den Ringen in den Wettkampf ein und zeigte einen stabilen Durchgang mit nur einigen Standfehlern. Vor allem Andreas Toba (13,60/D-Note: 5,0) und Nils Dunkel (13,433/5,0) überzeugten. 

Am Sprung ging es ohne größere Probleme weiter. Die Gastgeber setzten eher auf Sicherheit, zeigten Kasamatsu-Varianten mit zusätzlichen Schrauben, wobei Milan Hosseini (13.966), Timo Eder (13,90) und Dario Sissakis (13,80) die besten Versuche gelangen. Das katapultierte die Formation auf dem Tableau auf den vierten Platz vor. 

Am Barren beeindruckte Timo Eder mit einem sehr sauberen Programm samt perfekter Landung nach dem Abgang (13,80/4,9), und auch Nils Dunkel konnte seine etwas schwierigere Übung gut durchziehen und wurde mit der gleichen Note belohnt (D-Wert: 5,3). Dario Sissakis verbuchte einige Unsauberkeiten und lieferte die Streichnote (11,733/4,1). Aber insgesamt konnte das Team auch an diesem Gerät überzeugen und verbesserte sich im Zwischenresultat auf Rang drei. 

Am Reck kämpfte Milan Hosseini mit dem Adler, konnte einen Sturz jedoch vermeiden (12,066/4,5). Bei den anderen Teamturnern lief es besser, und vor allem Andreas Toba zeigte bei seiner letzten Finalqualifikation auf großer Bühne eine tolle Darbietung und holte das Beste aus sich und seinem Programm heraus (13,666/5,4). Immer wieder reckte er danach zu Recht die Fäuste in die Luft.

Noch immer auf Rang drei liegend, musste am Boden zuerst Dunkel ran und verließ gleich zu Beginn bei einem Doppelsalto vorwärts mit einem Schritt nach der Landung die Fläche (13,066/4,8). Dario Sissakis landete bei einem Doppelsalto vorwärts gebückt auf dem Hosenboden (12,30/5,1). Timo Eder hoppelte nach einem Tsukahara aus der Umrandung (13,133/5,1). Besser machte es Milan Hosseini an seinem stärksten Gerät, an dem er bei der EM 2023 in Ankara Bronze geholt hatte: 13,433 Punkte (5,2) sollten diesmal jedoch nicht für das Finale reichen. 

Die Italiener zogen mit guten Sprüngen vorbei und lagen nun acht Zehntel vor den Deutschen auf Rang drei. Jetzt galt es für die heimischen Turner, noch einmal alle verbliebenen Kräfte fürs Pauschenpferd zu sammeln. Das gelang Andreas Toba (13.300/5,3), Milan Hosseini (12.30/4,8), Timo Eder (13,70/5,4) und Nils Dunkel (13,833/5,4) so gut, dass sie ohne Absteiger durch ihre Übungen kamen. Doch danach mussten sie zuschauen, wie Italien am Barren wieder an ihnen vorbeizog.