Standing Ovations für einen der ganz Großen im deutschen Turnen: Andreas Toba hat bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig die Silbermedaille am Reck gewonnen. Der Hannoveraner musste sich bei seiner allerletzten Kür auf internationaler Bühne mit 14,00 Punkten nur dem Litauer Robert Tvorogal (14,30) geschlagen geben. Rang drei belegte beim Abschluss der Titelkämpfe vor 5500 Zuschauern in der Messehalle eins der Franzose Anthony Mansard (13,966), der als Letzter ans Königsgerät gegangen war, aber nicht mehr an dem 34 Jahre alten Deutschen vorbeiziehen konnte. Schon 2021 in Basel hatte Toba EM-Silber am Reck geholt.
“Das bedeutet mir die Welt”, kommentierte der Zweitplatzierte mit Tränen in den Augen und bedankte sich bei seiner Familie, seinen Teamkollegen, seinem Trainer und allen anderen, die ihn während seiner langen Karriere unterstützt hatten. “Besser hätte ich es nicht machen können. Die beste Übung in meinem Leben zum Abschluss, was will man mehr?" Seine Emotionen hätten ihn begleitet, “und das hat mir Kraft gegeben”.
Bundestrainer Jens Milbradt hatte selbst Herzklopfen, als Toba zur Stange griff. “Ich kann mir vorstellen, wie es in ihm drinnen aussah", sagte der 56-Jährige. "Dann noch mal eine solche Leistung abzurufen, ist absolut unbeschreiblich und zeigt, was für ein Sportsmann er ist.”
In Zukunft will der Sportler seine Liebe zum Turnen als Landestrainer im Niedersächsischen Turnerbund weitergeben. Schon am Montag wird er den Rollenwechsel vollziehen und als Coach in der Halle stehen. “Wenn ich zu viel Pause hätte, würde ich wieder turnen wollen”, sagte Toba.
Abseits von Medaillen hatte der ehemalige deutsche Mehrkampfmeister Schlagzeilen geschrieben, als er bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 trotz eines Kreuzbandrisses, den er sich am Boden zugezogen hatte, für sein Team noch ans Pauschenpferd gegangen war. Seitdem war Toba auch als “Hero de Janeiro” bekannt.