Wenn sich Deutschlands beste Turner vom 31. Juli bis 3. August bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden präsentieren, steht das Event ganz im Zeichen eines Jahres im Umbruch und doch mit Rückenwind: Die Europameisterschaften in Leipzig haben im Frühjahr gezeigt, dass sich das Männer-Turn-Team auch nach dem Karriereende langjähriger Leistungsträger wie Andreas Toba und Lukas Dauser in exzellenter Form befindet. Nun dienen die Deutschen Meisterschaften im Rahmen der Finals 2025 als wichtiger Gradmesser für die kommenden Weltmeisterschaften und als Bühne für neue Elemente und Talente.
„Die Ergebnisse der EM waren positiv überraschend und herausragend zugleich“, bilanziert Jens Milbradt, Cheftrainer Männer. Die Bilanz: Gold am Barren durch Nils Dunkel, ein EM-Titel im Mixed-Wettbewerb für Timo Eder und Karina Schönmaier, Bronze für Eder am Barren und Silber für Routinier Andreas Toba am Reck – es war seine letzte internationale Medaille. Auch im Teamfinale überzeugte das deutsche Männer-Team mit Rang vier, trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Pascal Brendel, Lucas Kochan und weiteren Leistungsträgern.
„Station zwischen den internationalen Höhepunkten“
Mit Blick auf die Titelkämpfe in Dresden betont Milbradt jedoch: „Die Deutschen Meisterschaften sind eine Station zwischen den internationalen Höhepunkten.“ Zwar kehren einige bislang verletzte Turner an einzelnen Geräten zurück, und für jüngere Athleten sind die Deutschen Meisterschaften ein echter Saisonhöhepunkt, doch bei den EM-erprobten Routiniers wird nicht jeder den Mehrkampf absolvieren. So wird zum Beispiel Nils Dunkel in Dresden nicht an allen Geräten starten.
Vielversprechend ist die Konkurrenz im Kampf um den Mehrkampftitel dennoch. Sollte EM-Bronzemedaillengewinner Timo Eder wie geplant an allen sechs Geräten antreten, zählt er gemeinsam mit dem Leipziger EM-Starter Glenn Trebing und Alexander Kunz, der die EM-Qualifikation nur knapp verpasste, zum Favoritenkreis. Milbradt: „Nicht alle werden einen vollen Mehrkampf bestreiten. Aber wer es tut, hat in diesem Jahr eine echte Chance.“
Ein Blick auf die Titelverteidiger zeigt zudem ein differenziertes Bild: Artur Sahakyan, der 2024 an den Ringen triumphierte, wird seinen Titel in Dresden verteidigen wollen. Daniel Mousichidis, im Vorjahr Sieger am Pauschenpferd, konzentriert sich diesmal auf den Boden. Der Titel am Pferd wird also neu vergeben. Sprung-Champion Felix Remuta indes, der sich im Vorjahr Gold sicherte, hat seine Karriere beendet.
Mit Mut zum Risiko
Bundestrainer Milbradt setzt zugleich bewusst nicht allein auf fehlerfreie Routinen: „Wir haben uns 2025 inhaltliche Entwicklungen vorgenommen, um den Anschluss an die internationale Spitze nicht zu verlieren. Es geht also auch darum, neue, bisher nicht im Wettkampf gezeigte Elemente auszuprobieren – auch auf die Gefahr hin, dass dabei noch nicht alles stabil läuft.“
Dresden wird damit zur Bühne für ein Turnen im Wandel zwischen Rückblick auf glanzvolle EM-Erfolge und dem Blick nach vorn auf die Weltmeisterschaften in Jakarta im Herbst. Wer sich an die Spitze turnt, entscheidet sich an diesem Wochenende – mit Mut zum Risiko und Lust auf Neues.