Ratgeber
Mit Herz und Hand: Ehrenamt im Verein
Ehrenamtliches Engagement ist eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens, auch im Sport. Gleichzeitig stehen viele Vereine vor der Herausforderung, Menschen für freiwillige Aufgaben zu gewinnen und langfristig zu binden.
Aktuelle Zahlen zeigen: 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren engagieren sich freiwillig. Das entspricht rund 26,97 Millionen Menschen. 2019 lag der Anteil jedoch noch bei 39,7 %. Besonders deutlich ist der Rückgang bei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren sowie bei Personen mit hoher Schulbildung.
Für Vereine bedeutet diese Entwicklung: Engagement muss heute stärker erklärt, sichtbar gemacht und attraktiv kommuniziert werden.
Wir zeigen dir, wie das auch in deinem Verein gelingen kann.
1. Ehrenamt neu denken: vom Helfen zum Gestalten
In vielen Vereinen wird Ehrenamt noch vor allem als Hilfeleistung beschrieben: Es geht darum, Aufgaben zu übernehmen oder Lücken zu schließen. Für viele potenzielle Engagierte wirkt diese Darstellung wenig einladend und sie vermittelt vor allem Aufwand, Verantwortung und Verpflichtung.
Eine zeitgemäße Kommunikation setzt deshalb auf einen Perspektivwechsel. Ehrenamt bedeutet nicht nur Unterstützung, sondern vor allem Mitgestaltung. Engagierte können Ideen einbringen, Projekte entwickeln und das Vereinsleben aktiv prägen.
Gleichzeitig bietet freiwilliges Engagement persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, Gemeinschaft und Einfluss auf das eigene Umfeld. Moderne Formen des Ehrenamts sind zudem häufig flexibler als früher: Engagement kann zeitlich begrenzt, projektbezogen oder in kleineren Aufgabenpaketen erfolgen.
Dabei gilt: Jede Kompetenz zählt – Vielfalt stärkt den Verein.
2. Engagement verständlich erklären
Damit Ehrenamt attraktiv wahrgenommen wird, braucht es eine klare und zeitgemäße Kommunikation. Dazu gehört vor allem, Rollen und Aufgaben verständlich zu beschreiben.
Viele Vereine formulieren Ehrenämter noch sehr abstrakt oder nutzen vereinsinterne Begriffe, die Außenstehenden wenig sagen. Hilfreich ist eine nutzenorientierte Perspektive: Nicht nur die Aufgaben stehen im Mittelpunkt, sondern auch die Frage:
Was habe ich von diesem Engagement?
Ebenso wichtig ist es, Wertschätzung sichtbar zu machen. Wenn Vereine zeigen, was ihre Engagierten bewegen und welche Erfolge daraus entstehen, wird Engagement greifbar und motivierend.
Ein wirksames Instrument dafür ist Storytelling. Echte Geschichten aus dem Vereinsalltag vermitteln anschaulich, wie Menschen sich einbringen und gemeinsam etwas erreichen – deutlich überzeugender als reine Aufgabenlisten.
3. Zielgruppenorientiert und klar kommunizieren
Menschen befinden sich in unterschiedlichen Lebensphasen und haben entsprechend unterschiedliche Möglichkeiten und Erwartungen an ein Ehrenamt.
Jugendliche, Eltern, Berufstätige oder Ruheständler reagieren daher oft auf unterschiedliche Botschaften: Jüngere Zielgruppen erwarten häufig Flexibilität und Sinnorientierung, während andere eher Gemeinschaft oder langfristige Verantwortung schätzen.
Eine zielgerichtete Kommunikation berücksichtigt diese Unterschiede und macht passende Engagement-Möglichkeiten sichtbar. Gleichzeitig ist es wichtig, typische Kommunikationsfehler zu vermeiden: Formulierungen wie „Wir brauchen dringend Hilfe“ oder unklare Rollenerwartungen können abschreckend wirken. Fachjargon oder vereinsinterne Begriffe erschweren zusätzlich das Verständnis.
Entscheidend ist daher eine positive, klare und ansprechende Ansprache, die nicht nur Pflichten, sondern vor allem Chancen, Sinn und Möglichkeiten des Ehrenamts vermittelt.
4. Sichtbarkeit schaffen: Kommunikations-Kanäle gezielt nutzen
Neben der inhaltlichen Botschaft spielt auch der Kommunikationskanal eine wichtige Rolle. Eine professionelle Außendarstellung im Vereinsmarketing trägt wesentlich dazu bei, Engagement sichtbar zu machen und Vertrauen aufzubauen.
Digitale Medien wie Website, Social Media oder Newsletter bieten Vereinen die Möglichkeit, regelmäßig über Projekte, Engagierte und Mitmachmöglichkeiten zu informieren.
Auch Best-Practice-Beispiele können inspirierend wirken.
Initiativen wie Sterne des Sports zeigen, wie gesellschaftliches Engagement im Sport sichtbar gemacht und ausgezeichnet werden kann. Vereine können sich dort präsentieren und ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Besonders erfreulich: Die Turngemeinde Herford von 1860 gewann 2025 den Großen Stern des Sports in Gold.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ehrte den Verein für seine Initiative „Vereinsheld 2025 – Unsere Zukunft ist Ehrenamt“, bei der die Ostwestfalen eine umfassende Strategie entwickelt haben, die darauf abzielt, freiwilliges Engagement langfristig zu stärken und neu zu definieren.
Euer Verein setzt sich auch besonders für das gesellschaftliche Engagement ein? Bewerbungen sind wieder ab dem 1. April 2026 möglich.
5. Lokale Netzwerke einbeziehen
Viele Städte und Kommunen bieten eigene Informationsplattformen rund um Ehrenamt und Engagement an. Dort können sich Interessierte über Möglichkeiten vor Ort informieren, während Vereine ihre Angebote sichtbar machen können.
Solche lokalen Engagement-Plattformen oder Ehrenamtssuchmaschinen erleichtern es, Menschen und Ehrenamt-Möglichkeiten zusammenzubringen.
Ein konkretes Beispiel ist die Stadt Frankfurt am Main.
Über die Ehrenamtssuche der Stadt Frankfurt können Vereine ihre Angebote präsentieren und Freiwillige gezielt angesprochen werden.
6. Begegnung schafft Engagement
Neben digitalen Kanälen spielen Veranstaltungen eine wichtige Rolle, um Engagement zu fördern und sichtbar zu machen.
Dazu zählen beispielsweise
- Ehrenamtsbörsen,
- Aktionstage oder
- Dankesveranstaltungen.
Solche Formate können unterschiedliche Ziele verfolgen: Sie würdigen das Engagement bereits aktiver Ehrenamtlicher, vernetzen Engagierte miteinander oder ermöglichen Interessierten einen niedrigschwelligen Einstieg ins Ehrenamt. Veranstaltungen bieten zudem Raum für Austausch und Begegnung – ein wichtiger Faktor für eine lebendige Ehrenamt-Kultur.
Online-Seminar
„Aktionstage, Ehrenamtsbörsen und Co. – Mit Veranstaltungen vor Ort Engagement voranbringen“
Ein praxisnahes Beispiel bietet das Online-Seminar „Aktionstage, Ehrenamtsbörsen und Co. – Mit Veranstaltungen vor Ort Engagement voranbringen“ am Mittwoch, den 25. März 2026 um 13:30 Uhr.
Hier erfahren Teilnehmende, welche Veranstaltungsformate sich für die eigene Kommune eignen, welcher Aufwand damit verbunden ist und wie die Planung erfolgreich umgesetzt wird.
Interessiert an weiteren Themen der kommunalen Engagementförderung? Einen Überblick über das Jahresprogramm #kommunalEngagiert findet ihr über den folgenden Button.
Ehrenamt lebt von Menschen
Damit Vereine genau diese Menschen erreichen, braucht es eine moderne und klare Kommunikation. Wer Engagement als Chance zur Mitgestaltung erzählt, die Wertschätzung sichtbar macht und die Menschen dort abholt, wo sie stehen, öffnet Türen für neue Freiwillige.
So wird Ehrenamt nicht nur Hilfe, sondern gelebte Gemeinschaft und Vereine werden zu Orten, an denen Engagement wachsen und wirken kann.
Ehrenamt erfolgreich kommunizieren:
5 praktische Schritte im Überblick
Rollen klar beschreiben
Formuliere konkrete Aufgaben statt abstrakter Funktionsbezeichnungen. Menschen möchten wissen, was genau sie erwartet.
Nutzen sichtbar machen
Beantworte aktiv die Frage: Was bringt mir das Engagement? – etwa Gemeinschaft, Gestaltungsmöglichkeiten oder persönliche Entwicklung.
Geschichten erzählen
Zeige Beispiele aus dem Vereinsalltag: Wer engagiert sich? Was wurde erreicht? Storytelling macht Engagement greifbar.
Verschiedene Zielgruppen ansprechen
Denke an Engagement-Angebote für unterschiedliche Lebensphasen: von Jugendlichen bis zu Ruheständlerinnen und Ruheständlern.
Engagement sichtbar feiern
Nutze Veranstaltungen, Ehrungen oder Aktionstage, um freiwilliges Engagement öffentlich zu würdigen und neue Interessierte einzuladen.