RATGEBER
Zwischen Smartphone und Sportverein
Kinder und Jugendliche sicher durch die digitale Welt begleiten
Was Übungsleitende über Medienkompetenz wissen sollten
Ein Blick in die Umkleide reicht: Noch vor dem Aufwärmen wird gescrollt. Smartphone, Social Media und Messenger sind für Kinder und Jugendliche längst Alltag. Digitale Medien bieten viele Chancen: Sie ermöglichen Kommunikation, Kreativität, Information und Teilhabe. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen - etwa durch Cybermobbing, problematische Inhalte oder einen unreflektierten Umgang mit Bildschirmzeiten.
Eltern begleiten die Mediennutzung ihrer Kinder im Alltag. Übungsleitende können im Sportangebot einen klaren und altersgerechten Rahmen schaffen und mit den Kindern und Jugendlichen vereinbaren, wann das Smartphone Pause hat. Entscheidend ist, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, Medien sicher, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Der Sportverein kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen: als Ort der Begegnung, des Austauschs und der bewussten Offline-Zeit.
Digitale Medien gehören zum Alltag
Klare Regeln statt pauschaler Verbote
Viele Kinder bekommen bereits im Grundschulalter erste Berührungspunkte mit digitalen Medien. Spätestens im Jugendalter sind Smartphones, soziale Netzwerke und Messenger fester Bestandteil des sozialen Lebens. Verbote allein führen dabei selten zu einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang.
Eine offene Gesprächskultur schafft Vertrauen: Kinder sollten wissen, dass sie sich bei Problemen oder Unsicherheiten an Erwachsene wenden können, ohne sofort mit Verboten oder Konsequenzen rechnen zu müssen.
Dabei spielt auch die Vorbildfunktion Erwachsener eine wichtige Rolle. Der eigene Umgang mit dem Smartphone, beispielsweise während Gesprächen, beim Training oder in gemeinsamen Situationen, vermittelt Kindern und Jugendlichen, welchen Stellenwert digitale Medien im Alltag haben sollten.
Bewegung statt Dauer-Scrolling
Sport als wichtiger Ausgleich
Digitale Medien können faszinieren und viel Zeit beanspruchen. Gerade deshalb sind regelmäßige Bewegungs- und Begegnungsräume besonders wichtig. Sport stärkt nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern wirkt sich auch positiv auf Konzentration, Selbstbewusstsein und psychisches Wohlbefinden aus.
Der Sportverein bietet Kindern und Jugendlichen einen wertvollen Ausgleich zur digitalen Welt: Hier stehen Bewegung, Teamgeist und persönliche Begegnungen im Mittelpunkt. Training bedeutet nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch Gemeinschaft, Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse.
Übungsleitende können einen Rahmen schaffen, in dem Bewegung, Gemeinschaft und unmittelbare Erfahrungen im Mittelpunkt stehen. Klare Regeln zur Smartphone-Nutzung während des Trainings helfen dabei, den Fokus auf die Gruppe und die gemeinsame sportliche Aktivität zu legen. Gleichzeitig entstehen durch Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wichtige soziale Erfahrungen.
Beispiele für Smartphone-Regeln im Training:
- Smartphone-Regeln zu Beginn mit der Gruppe vereinbaren.
- Geräte während des Trainings lautlos im Sportbeutel lassen.
- Erreichbarkeit für Notfälle über die Übungsleitung oder den Verein organisieren.
- Notwendige Ausnahmen vor der Stunde absprechen.
- Regeln auch als Übungsleitung selbst vorleben.
- Fotos und Videos nur nach den geltenden Schutz- und Datenschutzregeln erstellen.
Risiken erkennen
Neben den vielen Chancen digitaler Medien gibt es auch Risiken, die Kinder und Jugendliche überfordern können. Übungsleitende müssen keine Medienexpertinnen und -experten sein, sollten aber grundlegende Warnsignale kennen und wissen, wann Unterstützung notwendig ist.
Mögliche Herausforderungen sind:
- Cybermobbing: Beleidigungen, Ausgrenzung oder das Verbreiten verletzender Inhalte über soziale Netzwerke und Messenger
- Problematische Challenges und Kettennachrichten: Inhalte, die gefährlich sein können oder sozialen Druck erzeugen
- Datenschutzrisiken: Unbedachtes Teilen persönlicher Daten, Fotos oder Standortinformationen
- Übermäßige Mediennutzung: Wenn digitale Medien zunehmend andere wichtige Bereiche wie Schlaf, Bewegung, Schule oder soziale Kontakte verdrängen
Wichtig ist, Veränderungen wahrzunehmen und offen anzusprechen. Zieht sich ein Kind plötzlich zurück, wirkt es belastet oder verändert sich sein Verhalten deutlich, kann ein Gespräch helfen. Kinder und Jugendliche sollten wissen: Bei Problemen im digitalen Raum dürfen sie sich jederzeit an vertraute Erwachsene wenden. Solche Veränderungen können viele Ursachen haben und sollten nicht vorschnell auf die Mediennutzung bezogen werden.
Bei ernsthaften oder anhaltenden Auffälligkeiten sollten die im Verein vorgesehenen Ansprech- und Schutzstrukturen genutzt werden.
DTB Ratgeber Tipp für Eltern und Übungsleitende
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien entsteht nicht durch einzelne Regeln, sondern durch gemeinsame Vereinbarungen und regelmäßigen Austausch.
Interesse zeigen
Fragen Sie nach:
- Welche Apps oder Spiele nutzt das Kind?
- Welche Influencerinnen und Influencer sind interessant?
- Welche Trends beschäftigen die Gruppe aktuell?
Wer die digitale Lebenswelt von Kindern versteht, kann besser begleiten und beraten.
Gemeinsam Medienregeln entwickeln
Statt ausschließlich Bildschirmzeiten vorzugeben, sollten Regeln gemeinsam besprochen werden:
- Wann und wo werden Smartphones genutzt?
- Welche Inhalte sind geeignet?
- Welche Situationen bleiben bewusst smartphonefrei?
Gemeinsame Vereinbarungen erhöhen die Akzeptanz und fördern Eigenverantwortung.
Smartphone-freie Zeiten schaffen
Bewusste Pausen von digitalen Medien helfen Kindern und Jugendlichen, den Fokus wieder auf andere Aktivitäten zu richten:
- beim Training und bei Wettkämpfen,
- während gemeinsamer Mahlzeiten,
- in Familienzeiten oder bei Vereinsveranstaltungen
Datenschutz gemeinsam überprüfen
Kinder sollten lernen, ihre Privatsphäre zu schützen:
- Welche Informationen werden geteilt?
- Wer kann Beiträge sehen?
- Welche Sicherheitseinstellungen bieten Apps?
Kritischen Umgang mit Informationen und KI fördern
Digitale Inhalte sind nicht automatisch richtig. Kinder und Jugendliche sollten lernen:
- Informationen zu hinterfragen
- Quellen zu prüfen
- Werbung und manipulierte Inhalte zu erkennen
- Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz einzuschätzen
Klare Regeln im Verein schaffen
Sportvereine können gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Eltern Regeln zur Smartphone-Nutzung entwickeln. Beispiele:
- Smartphones bleiben während des Trainings in der Tasche oder an einem vereinbarten Ort
- Für Fotos und Videos gelten die Datenschutz- und Schutzregelungen des Vereins. Aufnahmen werden nur zu einem vorher geklärten Zweck, mit den erforderlichen Einwilligungen und über vereinbarte dienstliche Geräte und Wege erstellt und geteilt.
- Der respektvolle Umgang miteinander gilt auch online
Medienkompetenz entsteht durch Begleitung, Vertrauen und Vorbilder
Digitale Medien sind ein fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Der richtige Umgang damit muss gelernt werden, genauso wie sportliche Fähigkeiten oder soziale Kompetenzen.
Sportvereine können einen wichtigen Beitrag leisten: Sie schaffen Räume für
- Bewegung,
- Gemeinschaft und
- persönliche Begegnung.
Durch klare Regeln, offene Gespräche und eine unterstützende Haltung können Übungsleitende dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche digitale Medien sicher, kritisch und selbstbestimmt nutzen.
Hilfreiche Angebote für Familien und Vereine
- klicksafe
Die EU-Initiative unterstützt Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte mit Informationen und Materialien rund um digitale Medien, Bildschirmzeiten, Sicherheit und Cybermobbing.
→ Bildschirm- und Medienzeiten
→ Materialien zu Cybermobbing - SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht
Die Initiative informiert Eltern über einen sicheren und bewussten Umgang mit Medien und gibt praktische Tipps zur Vereinbarung von Medienzeiten.
Zur Website - Medien-kindersicher.de
Die Plattform bietet Schritt-für-Schritt-Anleitungen für technische Schutzmaßnahmen und Jugendschutzeinstellungen auf Geräten, Apps und Plattformen.
Zur Website - Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ)
Die BzKJ informiert über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medien und unterstützt die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes.
Zur Website - JIM-Studie (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest)
Die jährlich erscheinende Studie gibt einen Überblick über die Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland und zeigt aktuelle Entwicklungen und Trends.
Zur Website