Turn-Team Deutschland

Ein einmaliges Gemeinschaftserlebnis

Deutsche Gruppe bei der RSG-WM 2026 | Foto: Tom Weller

DTB-Gruppe in der Weltspitze angekommen

Im Stillen wurde sicher ein etwas anderes Ergebnis erhofft. Doch die Gruppe war sich schnell einig, dass ein einmaliges Gemeinschaftserlebnis die größte Belohnung war für die Leistungen bei diesen Weltmeisterschaften. Nach der letzten von insgesamt vier Übungen in der Frankfurter Festhalle richtete sich der Blick auch schnell nach vorne: kurzfristig auf den Urlaub, mittelfristig auf Verbesserung der Übungen und langfristig auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.

Auf jeden Fall war die deutsche Gruppe mittendrin in der Weltspitze, die in Frankfurt um die Medaillen kämpfte. Nach Platz vier im Mehrkampf war sie in beiden Einzelfinals vertreten, was nur fünf anderen Nationen gelang. Mit den drei Reifen und zwei Keulen platzierte sich das Quintett aus dem Turn-Team Deutschland auf Rang sechs, bei 28,200 Punkten mit nur einem Zehntel Rückstand auf Rang vier. Im ersten Finale hatte ein von der Fläche rollender Ball zuvor alle Chancen auf eine bessere Platzierung als Rang acht (25,400 Punkte) gekostet. Die Goldmedaillen gingen jeweils an Brasilien mit jeweils 29,450 Punkten.

„Es war wichtig, einen guten Abschluss zu finden. Da bin ich froh, dass das heute gelungen ist“, sagte Bundestrainerin Camilla Pfeffer, die mit Blick auf die an einen Abend im „Club Beluga“ angelegte Geschichte der Übung ergänzte: „Ich denke, die Mädels haben da gut Party gemacht.“ Dabei war die Gruppe vor der Übung mit den drei Reifen und zwei Keulen nicht zwingend in Feierlaune. „Die Ballübung war ärgerlich, weil wir hart trainiert haben und nicht zeigen konnten, wie wir es eigentlich können“, meinte Helena Ripken nach der Ballübung, die auch am Vortag nicht ohne Fehler war. „Es ist immer die Frage, wie reagieren die Turnerinnen, und das hätte heute einen Tick besser sein können, gestern war die Reaktion besser“, sagte Camilla Pfeffer, die im Mehrkampf noch begeistert davon war, wie mutig die Gruppe nach dem Patzer geblieben war.

Am Ende waren sich aber alle einig über eine starke Gesamtleistung und ein einmaliges Gruppenerlebnis. In der Mix-Zone sprach jede der fünf Gymnastinnen über ihr persönliches Fazit und Highlight dieser WM.

Anja Kosan (SC Siemensstadt/TSV Schmiden): „Obwohl es eine Heim-WM war und der Druck natürlich viel größer war, hab ich mich richtig wohl gefühlt. Das ist auch wichtig für das nächste Jahr, wenn es um die Olympia-Qualifikation geht, da nehme ich ein gutes Gefühl mit. Mein Highlight war das ganze Team.“

Helena Ripken (VfL Zehlendorf/TSV Schmiden): „Mein Fazit ist, dass man so eine Heim-WM unheimlich genießen kann. Es ist ein unglaubliches Erlebnis hier zu stehen. Jetzt gilt es, mit Fokus auf das nächste Jahr Fehler zu korrigieren und zu versuchen, sich zu steigern. Mein Highlight war auf jeden Fall das Publikum, das so gejubelt und uns unterstützt hat.“

Alisa Datsenko (TSV Schmiden): „Das war meine erste WM und die Atmosphäre in dieser großen Halle war einmalig. Mein Highlight war einfach alles.“

Anna-Maria Shatokhin (TSV Schmiden): „Ich nehme mit, dass wir trotz Fehler immer weitergekämpft und die Atmosphäre einfach genossen haben. Und dass wir uns als Team sehr gut und stark präsentiert haben. Mein persönliches Highlight war, dass wir viermal turnen durften, dass wir es zweimal ins Finale geschafft haben und dass wir es einfach zu fünft genießen durften, hier dabei zu sein.“

Alina Ott (TSV Nürnberg): „Die Heim-WM wird für immer in meinem Herzen bleiben. Ich habe so viele Erinnerungen gesammelt und hatte so viele Emotionen auf einmal. Ich werde auf jeden Fall die Zeit auf dieser Fläche nie vergessen.“

Zu diesem unvergesslichen Erlebnis in Frankfurt gehört auch ein Auftritt bei der Samstagabend-Show. Trotz des anstrengenden Mehrkampfes am Tag ließ es sich die Gruppe nicht nehmen, gemeinsam mit sechs weiteren Kolleginnen aus dem WM-Kader einen Beitrag zur „Wundervollen Welt der Gymnastik“ zu liefern. „Natürlich war es anstrengend, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das war toll und man hat gespürt, dass das Publikum Lust hat“, beschrieb Helena Ripken ein weiteres gemeinsames Highlight der WM-Tage, nach denen sich die Wege erst einmal trennen. 

Mallorca, zu Hause, Estland, Vietnam und Kroatien – das sind die Urlaubsziele der fünf Gymnastinnen, die sich aber schon bald wieder treffen werden, um auf ein gemeinsames Fernziel hinzuarbeiten: Los Angeles 2028.