Der traditionelle Länderkampf in Großbritannien wurde am Samstag (12.09.2026) zur erwartet schweren Prüfung mit großem Lerneffekt für die deutschen Gerätturner. "Es war ein Wettkampf mit der Betonung auf Kampf", resümierte Männer- Cheftrainer Jens Milbradt nach dem "Senior Team international" in Stoke-on-Trent. Im Vergleich von fünf europäischen Mannschaften reichten 281,050 Punkte nur zu Rang fünf im Endergebnis beim souveränen Heimsieg der britischen Riege, die mit 310,500 deutlich vor Italien (304,850) und Frankreich (304,400) lag. Während die Gastgeber aber auch mit drei Turnern aus dem Bronze-Team der Europameisterschaft antraten, war das deutsche Team ganz ohne EM-Starter auf die britische Insel gereist.
"Wir wollten den Turnern aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben, deren Vorbereitung aber auch teilweise von Problemen geprägt war", erklärte Jens Milbradt, der vor Ort zugleich Auswirkungen dieser Situation zu spüren bekam. So konnte der für alle Geräte eingeplante Marcel Graf (TV Rinteln) nur am Pauschenpferd turnen, ehe Probleme mit dem Brustbein weitere Einsätze verhinderten. "Es war eine Standortbestimmung, bei der jeder gesehen hat, dass noch ordentlich was zu tun ist. Das wissen auch die Jungs", sagte der Bundestrainer, der zudem von einer kurzfristigen Modusänderung überrascht wurde. Weil pro Gerät vier statt wie zuvor vereinbart drei Noten pro Gerät in das Mannschaftsergebnis einflossen, fehlten teilweise ganze Wertungen. Milbradt suchte aber nicht nach Ausreden, sondern konstatierte unumwunden: "Es waren einfach zu viele Fehler, zu wenig Stabiliät, mit Stürzen am Reck und am Boden und dem Tiefpunkt am Pauschenpferd". Wo eben Marcel Graf mit seiner einzigen Übung (12,250 Punkten) als bester deutscher Turner auf Rang acht der Einzelgerätwertung landete.
Es gab aber auch Lichtblicke wie der zweite Platz von Dario Sissakis (SC Berlin) an den Ringen, wo er mit 13,150 Punkten nur ein Zehntel hinter dem Schweizer Ian Raubal lag. Milan Hosseini (TG Böckingen) fehlten beim Sprung (13,850) als Fünfter wiederum nur ein Zehntel auf Rang zwei. Valentin Zapf (TSV Unterföhring) hatte als Siebter der Gerätwertung am Boden (13,000 Punkte) sein bestes Einzelergebnis, Glenn Trebing (TK Hannover) wurde Achter am Barren (13,400), zum Team gehörte außerdem Mika Wagner (TG Böckingen).
Für die siegreichen Gastgeber war der bei der EM noch verletzt fehlende Jake Jarman der fleißigste Punktesammler, der sich mit Bestnoten am Boden (14,500), beim Sprung (14,200) und am Pauschenpferd (13,750) für das WM-Team empfahl. Sein Teamkollege Oakley Banks siegte am Barren (13,800) vor dem punktgleichen Ian Raubal, dessen Schweizer Landsmann Marco Pfyl bester Einzelturner am Reck war mit 13,700 Punkten.
"Jetzt gilt es, die Zeit zur Erholung zu nutzen und es bei der nächsten Chance besser zu machen", sagte Jens Milbradt mit Blick auf die erste interne WM-Qualifikation am nächsten Wochenende am Leistungsstützpunkt in Kienbaum.
In Stoke-on-Trent geht es am Sonntag, dem zweiten Tag des Ländervergleichs, mit den Turnerinnen weiter. Auch hier tritt das Turn-Team Deutschland mit Athletinnen an, die sich für höhere Aufgaben empfehlen wollen und zuletzt bei der EM nicht im Einsatz waren: Janoah Müller (TSG Haßloch), Marlene Gotthardt (MTV Stuttgart), Yonca Özgül (Berliner Turnerschaft), Jesenia Schäfer (TuS 1861 Chemnitz-Altendorf, Frederika Suhl (Berliner TSC) und Madita Mayr (TSV Jetzendorf). „Es wird nicht leicht, aber genau deshalb treten unsere Turnerinnen dort an. Ich bin mir sicher, dass sie dort wichtige Erfahrungen machen werden“, hatte Bundestrainer Gerben Wiersma schon vor der Reise nach England gesagt. In Stoke-on-Trent wird die Riege von LaPrise Williams betreut.