Eine Reise durch die wundervolle Welt der Gymnastik erlebten rund 2000 Gäste, die ein Ticket für die Samstagabend-Show der Weltmeisterschaften gebucht hatten. Mal laut, mal leise, mal rasant, mal entschleunigt führte die Fahrt durch die vielen Regionen des Turnsports. Mit großen Momenten, großen Emotionen, großen Namen. Wie Magdalena Brzeska, die nach stimmungsvollen 100 Minuten zugab: „Nach 29 Jahren mal wieder auf einer Turnfläche zu stehen in so einer Kulisse, das war schon aufregend.“
Die Repräsentantin der WM kehrte erst einmal in aller Stille auf die Turnfläche zurück und hatte neben Margarita Kolosov mit der 13 Jahre alten Melissa Diete eine Gymnastin der Zukunft an ihrer Seite. Auch mit dem Nachwuchs-Nationalkader und dem Deutschen Meister TV Dahn wurde die Rhythmische Sportgymnastik in Gruppenform in Szene gesetzt.
Ausflüge in die Vereinslandschaft verdeutlichten, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen die im Deutschen Turner-Bund beheimateten Menschen in der Lage sind. Bis zu 30 Mitglieder starke Gruppen vom TV Ludwigshafen-Bodensee, TSV Hüttingen, FC Röhlingen, Stedinger TV Berne und Schwarz-Weiß Oldenburg zeigten mit Artistik, Dynamik, Eleganz und Humor, warum sie beim „Rendezvous der Besten“ schon mit Bestnoten dekoriert wurden und den DTB auch auf internationaler Ebene schon erfolgreich repräsentierten. Harte Trainingsarbeit in heimischer Sporthalle reift dort zu spektakulären Bildern mit Revue-Qualität auf großer Bühne.
In Höchstform zeigte sich auch wieder das Technik-Team des ausrichtenden DTB, das die WM in der Festhalle schon seit der ersten Minute auch zu einem Licht-, Ton- und Bild-Erlebnis werden lässt. Mit geschicktem Wechselspiel zwischen Gänsehaut und Party-Stimmung, für die etwa eine Breakdance-Gruppe sorgte, der wiederum waghalsige Aktionen eines Hoop-Divers vorausgegangen waren.
Nicht nur im bildlichen Sinne herzergreifend waren die Anfeuerung und das Gespür des Publikums für eine Gruppe von Special-Olympics, die demonstrierten, welch inklusive Wirkung Ball, Band, Reifen und Keulen entfalten können. Bewegende Momente mit einfühlsamer Choreografie auf einer Bühne, die dieser Tage ansonsten den Besten der Welt gehört. Auf der vielleicht auch Eneko Lamea seine Medaillenchance hätte, wird die Sportart irgendwann vom olympischen Mix-Trend erfasst. Der Spanier demonstrierte mit dem Band, warum die Rhythmische Sportgymnastik nicht Frauensache bleiben muss.
Mit einem feurigen Tango zeigte Magdalena Brzeska dann, was sie von ihrer Beweglichkeit als 26-fache Deutsche Meisterin der Rhythmischen Sportgymnastik und ihrer tänzerischen Klasse als Siegerin von „Let’s Dance“ 2014 bewahrt hat. Aus der für sie nach eigenen Worten selbst überraschenden Dunkelheit tauchte sie mit Partner Erich Klann immer wieder mit geschmeidigen Bewegungen auf.
Die pure Lust an der Rhythmischen Sportgymnastik zeigte die deutsche Gruppe, die am Nachmittag das Publikum noch mit zwei Weltklasse-Übungen und einem vierten Platz im WM-Mehrkampf verzaubert hatte. Die fünf Gymnastinnen ließen es sich auch am Abend vor ihren beiden Gerätefinals nicht nehmen, eine während der WM-Vorbereitung einstudierte Choreographie mit sechs Kolleginnen aus dem WM-Kader dem Heimpublikum zu präsentieren. Mit einem Solo von Melanie Dargel, die im Vorjahr zum Gold-Team des DTB bei der WM in Rio den Janeiro gehörte. Gefolgt von einem ruhigen Pas de Deux der früheren Olympionikin Anne Jung mit Partner.
Und dann hatte Margarita Kolosov doch noch ihren großen Auftritt auf der Bühne, auf der sie so gerne WM-Starterin sein wollte. Statt Gymnastin war die Olympia-Vierte von Paris aber Freestyle-Tänzerin nach Rockmusik, die sie schon immer für eine Übung verwenden wollte, die aber als zu schnell befunden wurde. Aber an diesem Abend war alles erlaubt, was „Gute Laune“ macht, zur Freude des Publikums auch mal das gleichnamige Stimmungslied.
Die Reise durch die wundervolle Welt der Gymnastik führte auf ihrer Schlussetappe nach Dänemark. Die dort beheimatete Oellerup Gymnastik School zeigte wieder einmal bei einem Großereignis in Deutschland, wie sie mit großen Tanzbildern und einem Sprung-Feuerwerk auf dem Trampolin das Turn-Publikum begeistern kann.
Dass es nur ein Wink ins Publikum braucht, um für Jubel auf den Rängen zu sorgen, zeigte der späte Stargast der Show. Aber man muss für einen solchen Effekt wohl auch Darja Varfolomeev heißen. Auch die Olympiasiegerin zog der frühen Bettruhe ein Gastspiel auf der Bühne vor, auf der sie am Vorabend mit einem atemberaubenden Mehrkampf ihr erstes Gold dieser WM geholt hat und wo sie am Sonntag noch dreimal im Wettkampfmodus mit Ball, Band und Reifen zu sehen sein wird.
Wie die nun zwölffache Weltmeisterin so ist, schlug sie auch nach der Show keinen Selfie-Wunsch der Volunteers aus, die auch am Schlussbild beteiligt waren. Zusammen mit allen Darstellern und dem Publikum schallte dabei die wohlverdiente Hymne durch die Festhalle: „Ein Hoch auf uns!“