Ratgeber

Ältere in Bewegung bringen – mit Plan, Netzwerk und Beteiligung

Vom Überblick zum konkreten Handeln: AuF leben

Im letzten Ratgeber Wie Bewegung Lebensqualität stärkt und Vereine zu zentralen Partnern für Ältere werden haben wir gesehen, wie wichtig Bewegung für ältere Menschen ist, welche gesundheitlichen, sozialen und psychischen Vorteile sie bringt und welche Rolle Vereine dabei einnehmen. Wir haben beschrieben, wie Vereine ihre Angebote an die Bedürfnisse der älteren Zielgruppe anpassen, Ehrenamtliche einbinden und Strukturen für ein lebendiges, altersfreundliches Vereinsleben schaffen können.

Doch aus Theorie und guten Vorsätzen wird nur dann Wirkung, wenn diese Ideen systematisch umgesetzt werden. Genau hier setzt das Projekt „Im Alter AKTIV und FIT leben – Gesundheitsförderung in der Lebenswelt Kommune, kurz AuF leben, an.

Das Projekt ist eine bundesweite Initiative des Deutschen Turner-Bundes (DTB), das durch sieben Landesturnverbände umgesetzt wurde bzw. wird. Die Förderung des Projekts erfolgt seit 2019 mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit (www.gkv-buendnis.de). Ziel ist es, ältere Menschen für mehr Bewegung im Alltag durch wohnortnahe, niedrigschwellige Angebote und durch Anpassung der kommunalen Bewegungsverhältnisse zu gewinnen. Diese Maßnahmen werden dabei in engem Zusammenspiel zwischen dem Verein (oder mehreren Vereinen) mit der Kommune geplant und umgesetzt.

Die zentralen Ansätze:

  • Kommunale Gesundheitsförderung: Vereine, Kommunen und weitere Partner arbeiten zusammen, um tragfähige Strukturen aufzubauen.
  • Strategieentwicklung: Analyse der Ausgangssituation, gemeinsame Zieldefinition und Ableitung konkreter Maßnahmen.
  • Netzwerkbildung: Integration aller relevanter Partner wie andere gemeinnützige Vereine, Verwaltung, soziale Einrichtungen, Gesundheitsakteure und den älteren Menschen selbst.
     

Den nächsten Schritt gehen

von Angeboten zur Strategie

Viele Vereine verfügen bereits über Bewegungsangebote für Ältere, erreichen die Zielgruppe jedoch nicht in dem gewünschten Umfang. AuF leben hat sich genau dieser Herausforderung gewidmet und ein Konzept entwickelt, wie es Vereinen möglich ist, die Zielgruppe zu erreichen und für Bewegung zu motivieren – durch die enge Zusammenarbeit mit der eigenen Kommune/Gemeinde und kommunaler Netzwerkbildung.

Ein zentrales Instrument des Projekts sind dabei Strategieworkshops, in denen Vereine und Kommunen gemeinsam Maßnahmen zur Bewegungsförderung älterer Menschen planen. Dies ist der erste Schritt im Projekt und legt den Grundstein für eine gute und nachhaltige Zusammenarbeit. Im Rahmen der Strategieworkshops, an denen der Verein/die Vereine, die Kommune und ggf. weitere Netzwerkpartner teilnehmen, wurden dabei vorrangig folgende Themen behandelt:

  1. Ist-Analyse: Wo stehen wir aktuell? Was haben wir bereits?
  2. Stakeholder-Analyse (oder Interessengruppenanalyse): Wen brauchen wir für unsere Vorhaben? Wer hat mit der Zielgruppe/der Thematik zu tun?
  3. Zieldefinition: Wo wollen wir hin? Was wollen wir gemeinsam erreichen?
  4. Strategieentwicklung: Ableitung konkreter Maßnahmen auf Basis der SMART-Methode (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert)

Die Absprachen in den Workshops werden zusammengefasst und am Ende ein Aktionsplan erstellt, nach dem Schema „Wer macht was bis wann?“. 

Wichtig ist, dass zu Beginn die Ressourcen geklärt werden und wer wie viel Zeit investieren kann. Wird dies direkt besprochen und sich darauf verständigt, wie man miteinander kommuniziert, dann erleichtert dies die Umsetzung enorm. Ein regelmäßiger Austausch ist entscheidend für die langfristige Umsetzung und nachhaltige Verankerung.

Erfahrung aus dem Projekt: Wer zu Beginn die Zeit investiert, die Situation vor Ort zu analysieren, relevante Partner einzubinden und gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, hat deutlich bessere Chancen, die Zielgruppe zu erreichen, als wenn ein Verein allein handelt. Strategische Zusammenarbeit schafft Strukturen, die langfristig wirken – sowohl für die Bewegung älterer Menschen als auch für die Gesundheitsförderung in der Kommune.

DTB Ratgeber Tipps

  1. Netzwerkbildung: Gemeinsam stärker
    Je mehr Akteur*innen in einer Kommune zusammenarbeiten, desto flächendeckender und nachhaltiger lassen sich Bewegungsangebote etablieren. Bestehende Strukturen, wie Arbeitsgruppen, Seniorenbeiräte oder kommunale Netzwerke, können optimal genutzt werden.
  2. Partizipation der Zielgruppe
    Ältere Menschen aktiv in Planung und Umsetzung einzubeziehen, sichert die Passgenauigkeit und Akzeptanz der Angebote. Ihre Erfahrungen, Wünsche und Werte fließen direkt in die Maßnahmen ein.
Tipp

Materialien und Unterstützung

Alle Interessierten, die das Thema in ihrer Kommune oder im Verein voranbringen möchten, finden umfangreiche Hilfen auf der Projektwebsite.

  • Ablauf und Umsetzung von „AuF leben“ – hier wird Schritt für Schritt erklärt, wie das Projekt funktioniert und welche Bausteine den Einstieg erleichtern.
  • Arbeitshandbuch „AuF leben“ – ein praxisnaher Leitfaden mit vielen Tipps, Beispielen und Arbeitsmaterialien für die Umsetzung vor Ort zum kostenfreien Download
  • Best Practice Beispiel - man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Eine Sammlung vieler erfolgreicher Maßnahmen sind online aufgeführt.
  • Kontaktpersonen - bei Fragen stehen die DTB-Projektleitung sowie die AuF-Berater*innen der LTV zur Verfügung. 

Mit diesen Materialien/Hilfen haben Vereine, Kommunen und Partner eine fundierte Grundlage an der Hand, um die Umsetzung eigenständig zu starten und zu analysieren, wo sie aktuell stehen und wo sie ansetzen müssen/können. Mithilfe des Arbeitshandbuchs gelingt es eigene Strategien zu entwickeln und in die Praxis zu bringen.
 

Wichtiger Hinweis:

Die Förderung auf Landes- und Kommunalebene endete am 31. Mai 2025. Auf Bundesebene wird das Projekt bis 31. Dezember 2025 gefördert. Über das Projektende hinaus soll AuF leben in den Verbandsstrukturen verankert werden und sowohl der DTB als auch mehrere LTV widmen sich weiterhin intensiv dem Thema „Bewegungsförderung älterer Menschen“.

Gemeinsam nachhaltig wirken

Bewegungsförderung für Ältere ist mehr als einzelne Kurse oder Projekte – sie lebt von Zusammenarbeit, Strategie und der aktiven Einbindung der Zielgruppe. Vereine, Kommunen und Partner können so Strukturen schaffen, die weit über den Moment hinauswirken.
AuF leben hat als Paradebeispiel gezeigt: Wenn alle an einem Strang ziehen, lassen sich ältere Menschen nicht nur leichter erreichen, sondern dauerhaft für Bewegung begeistern. Das stärkt nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Miteinander in der Kommune. 

AuF leben in Rheinhessen

DTB-SPROSSENWAND | Im Rahmen des Projekts AuF leben hat die Gemeinde Jugenheim in Rheinhessen gemeinsam mit dem langjährigen Ortsbürgermeister Herbert Petri einen Bewegungspfad durch die idyllischen Weinberge eröffnet. Der Pfad beginnt hinter der Kirche der Gemeinde und führt durch malerische Landschaften. Immer wieder laden Schilder zu kurzen Bewegungsübungen ein: Dehnen, Balancieren und Kräftigungsübungen, die für die Fitness und das Wohlbefinden der Teilnehmenden sorgen sollen. 

ein Bürgermeister bewegt seine Gemeinde - Jugenheim

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