Bildung im Kinderturnen
Kinderturnen in seiner ganzen Vielfalt wird in den Turn- und Sportvereinen durch qualifizierte Übungsleiter*innen vermittelt. Um die Qualität der Angebote im Kinderturnen zu sichern, zu verbessern und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen, sind Aus-, Weiter- und Fortbildungen für Übungsleiter*innen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Deutschen Turner-Bundes und der Deutschen Turnerjugend. Schließlich sind es die Übungsleiter*innen, die in den Vereinen durch ihr Angebot und ihr Verhalten das Erscheinungsbild des heutigen Kinderturnens prägen. Die Aus- und Fortbildungen werden überwiegend durch die Landesturnverbände bzw. Landesturn(er)jugenden sowie Turngaue und -kreise angeboten. Um den passenden Lehrgang zu finden, könnt ihr euch auf den Seiten eures Landesturnverbandes bzw. eurer Landesturn(er)jugend informieren.
Ausbildungen
ÜL-Assinten*innen Ausbildung Kinderturnen
ÜL-Assistent*in Kinderturnen
Die Übungsleiter*innen-Assistent*innen-Ausbildung mit mindestens 35 Lerneinheiten (LE) bietet jungen Menschen einen Einstieg in die Vereinsarbeit und richtet sich schwerpunktmäßig an 14- bis 16-Jährige, die im Verein beim Kinderturnen helfen wollen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Voraussetzung für die Übungsleiter*in C-Lizenz. Allerdings ist eine Anrechnung für Ausbildungen auf der ersten Lizenzstufe ggf. möglich. Fragt hierzu bitte bei eurem Landesturnverband nach. Die Ausbildung ist überwiegend dezentral organisiert und wird i.d.R. von den Landesturnverbände/Landesturn(er)jugenden oder den Turnkreisen/-gauen angeboten. Nähere Informationen erteilen die zuständigen Landesturnverbände bzw. Landesturn(er)jugenden. Zum Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmer*innen ein Zertifikat.
Inhalte und Ziele
Bei der Ausbildung stehen die praktischen Angebote im Kinderturnen im Mittelpunkt, aber auch grundsätzliche Kenntnisse über den Umgang mit Gruppen sowie Hintergründe der Arbeit in einem Verein werden vermittelt. Die Ausbildung qualifiziert für eine unterstützende Tätigkeit sowohl im sportpraktischen als auch im überfachlichen Bereich und soll die Teilnehmer*innen dazu motivieren, auch selbständige Aktivitäten zu entwickeln und durchzuführen.
ÜL-Assistent*innen Kinderturnen für Menschen mit und ohne (geistige) Behinderung
Zukünftig soll sich der inklusive Gedanke im Kinderturnen nicht nur auf die Teilnehmenden in den Kinderturn-Stunden, sondern auch auf die Übungsleitenden bzw. deren Assistenz beziehen. Die Assistenz-Ausbildung Kinderturnen in der bisherigen Form richtete sich primär an Jugendliche im Alter von ca. 14 bis 16 Jahren, die häufig selbst aus dem Kinderturnen kommen bzw. Vorkenntnisse haben. Im Rahmen des Teilprojekts der Offensive Kinderturnen, der „Regionalliga Inklusion“, wurde in Kooperation mit Special Olympics Deutschland und der Deutschen Behindertensportjugend ein Konzept erstellt, welches es darüber hinaus auch Menschen mit einer (geistigen) Behinderung ermöglichen soll, sich im Kinderturnen als ÜL-Assistent*innen engagieren zu können Ziel ist die Qualifizierung durch inklusive Ausbildungslehrgänge.
Den zukünftigen ÜL-Assistent*innen soll eine umfassende Ausbildung angeboten werden, die für eine unterstützende Tätigkeit sowohl im sportpraktischen als auch im überfachlichen Bereich qualifiziert, für Sicherheitsaspekte sensibilisiert und die Teilnehmenden dazu motiviert, auch selbstständig Aktivitäten zu entwickeln und durchzuführen. Den Teilnehmenden soll durch die Ausbildung ein Grundlagenwissen vermittelt werden, das ihnen hilft, die Kinderturn-Stunden bestmöglich zu unterstützen und zu verstehen. Auch die Angst vor der ersten Turnstunde soll genommen, sodass sie mit Selbstbewusstsein und Vorerfahrung in diese gehen können.
Die Übungsleiter*innen-Assistenz-Ausbildung für Menschen mit und ohne (geistige) Behinderung setzt sich aus insgesamt 30 Lerneinheiten à 45 Minuten sowie zusätzlichen Pausenzeiten zusammen. Um einen guten Einblick in die Praxis zu bekommen, müssen zusätzlich zu den 30 LE weitere 10 LE in Form einer Hospitation im Kinderturnen bei einem Turnverein absolviert werden. Die Ausbildung ist überwiegend dezentral organisiert und wird i.d.R. von den Landesturnverbände bzw. Landesturn(er)jugenden oder den Turnkreisen oder -gauen angeboten. Nähere Informationen erteilen die zuständigen Landesturn(er)jugenden.
Übungsleiter*in C Kinderturnen, Eltern-Kind-Turnen/Kleinkinderturnen
Die Übungsleiter*in-C-Lizenz stellt die erste Qualifizierungsstufe im Lizenzwesen dar. Diese wird im Kinderturnen mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten und somit verschiedenen zielgruppenspezifischen Ausrichtungen angeboten:
- Vorschulalter (Eltern-Kind-Turnen/Kleinkinderturnen)
- Grundschulalter (Kinderturnen).
Die Übungsleiter*in-C-Lizenz Ausbildung umfasst mindestens 120 Lerneinheiten (LE) und wird i.d.R. von den Landesturnverbänden bzw. Landesturn(er)jugenden oder den Turnbezirken/-gauen durchgeführt. Das Mindestalter für Teilnehmende beträgt 16 Jahre.
Für bereits lizenzierte Übungsleiter*innen (z.B. Quereinsteiger*innen aus anderen Fachbereichen) besteht die Möglichkeit, durch den Besuch des Aufbaukurses (60 LE) Kinderturnen oder Eltern-Kind-/Kleinkinderturnen die jeweilige Lizenz zu erhalten.
Inhalte und Ziele
Der Schwerpunkt der Ausbildungen Eltern-Kind-Turnen/Kleinkinderturnen und Kinderturnen liegt auf der Förderung und Weiterentwicklung der Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz der Übungsleiter*innen.
Zentraler Aufgabenbereich der/des Übungsleiter*in ist die Planung und Durchführung regelmäßiger Sport- und Bewegungsangebote in der sportartübergreifenden motorischen Grundlagenausbildung. Sie/Er kann – je nach den Rahmenbedingungen des Vereins – auch für die Planung und Durchführung von überfachlichen Vereinsaktivitäten oder für die Beratung, Betreuung und Interessenvertretung der Kinder und oder Eltern zuständig sein. Im Kern ist der/die Übungsleiter*in pädagogisch tätig und trägt in dieser Rolle dazu bei, die Kinder in ihrer sportlichen, persönlichen und sozialen Entwicklung anzuleiten und zu unterstützen sowie Selbstständigkeit, Teilhabe und selbstbestimmtes Lernen jeder/jedes Einzelnen zu fördern.
Übungsleiter*in B Gesundheitsförderung im Kinderturnen
Die Ausbildung zum/zur Übungsleiter*in "Sport in der Prävention" (ÜL-B) setzt eine Ausbildung auf der ersten Lizenzstufe voraus und wird im Bereich des Kinderturnens mit dem Schwerpunkt "Gesundheitsförderung im Kinderturnen" angeboten. Die zweite Lizenzstufe dient einerseits der weiteren themenspezifischen Qualifizierung von Übungsleiter*innen. Andererseits ist sie auch für Übungsleiter*innen gedacht, die ihre erste Lizenzstufe in einem anderen Bereich oder einer anderen Sportart erworben haben.
In dieser Ausbildung mit 60 LE werden spezielle Inhalte aus dem Bereich der Gesundheitsförderung angesprochen, diskutiert und Möglichkeiten der Umsetzung in die Praxis aufgezeigt.
Kinder wachsen heute in einer zunehmend bewegungsfeindlichen Welt auf. In der Folge wird ein starker Anstieg motorischer und gesundheitlicher Auffälligkeiten konstatiert. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Vermittlung des ressourcenorientierten Ansatzes. Dabei geht es um das Verständnis für und den Umgang mit Auffälligkeiten im motorischen sowie psychosozialen Bereich und weniger um die detaillierte Vermittlung des Wissens spezifischer Krankheitsbilder. Die Übungsleiter*innen werden geschult, die Kinder in ihrem Verhalten besser wahrzunehmen, sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihre Schutzfaktoren zu stabilisieren.
Informationen zu konkreten Ausbildungsveranstaltungen erteilen die zuständigen Landesturnverbände/Landesturn(er)jugenden.
Inhalte und Ziele
Der/die Übungsleiter*in soll gesundheitsorientierte Sport- und Bewegungsangebote im Verein auf der Basis eines umfassenden Gesundheitsverständnisses zielgruppengerecht und themenspezifisch umsetzen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Förderung der individuellen Gestaltungsfähigkeit. Daher müssen sich die Angebotsinhalte auch auf Themen des täglichen Lebens beziehen und die Situation der Kinder in den Mittelpunkt stellen.
Die Übungsleiter*innen sollen
- qualifiziert werden, die allgemeinen Kinderturn-Stunden unter den besonderen Aspekten der heutigen Zeit zu betrachten,
- sich mit der Thematik der Gesundheitsförderung auseinandersetzen und wissen, dass sie sich im Spannungsfeld zwischen Therapie und Animation bewegen,
- sie sollen verschiedene Ansätze des Gesundheitsverständnisses kennen lernen,
- sie sollen wichtige Begriffe im Feld des Gesundheitssports kennen lernen,
- sie sollen Auffälligkeiten bei Kindern erkennen lernen.
Die Übungsleiter*innen werden sich im Weiteren mit spezifischen Fragestellungen aus folgenden Bereichen auseinandersetzen:
- Kinder mit Wahrnehmungsauffälligkeiten,
- Kinder mit auffälligem Bewegungsverhalten,
- Kinder mit auffälliger Haltung,
- Kinder mit auffälligem Sozialverhalten,
- Kinder mit auffälligem Essverhalten sowie
- Kinder mit chronischen Erkrankungen.