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Leonie Adam im Interview

05.04.2020 10:15

"Ich habe das letzte Jahr keine zehn Tage ohne Trampolin verbracht. Nun sind es schon mehr als drei Wochen."

Leonie Adam | Bildquelle: DTB/Roesler
Leonie Adam | Bildquelle: DTB/Roesler

Die Trampolinturnerin und Teilnehmerin der Olympischen Spiele 2016, Leonie Adam, spricht im Interview darüber, wie sie sich ohne Trampolin fit hält, wie ihr Alltag aussieht und welche Auswirkungen die Verschiebung der Olympischen Spiele mit sich bringt. 

Die vergangenen Wochen waren auch für den Sport recht turbulent. Wie hast du als Leistungssportlerin die Situation empfunden?

Leonie: "Vor drei bis vier Wochen hatten wir noch normal trainieren können und es stand auch noch ein Lehrgang an. Den musste ich krankheitsbedingt absagen und in der Woche, in der ich wieder in das Training hätte starten können, war die Halle zu. Man hat es sich ja schon irgendwie ein bisschen gedacht und diese Entwicklung  hat sich schon abgezeichnet."

Als du erfahren hast, dass die Sporthallen jetzt geschlossen sind, was waren deine Gedanken? 

Leonie: "Die erste Frage in meinem Kopf war, ob es irgendwie Ausnahmefälle gibt oder ob man in kleinen Trainingsgruppen die Hallen nutzen darf und die zweite Frage, die stelle ich mir auch jetzt noch, ist: Wie lange dauert das?"

Das Training hat einen großen Teil deines Alltages eingenommen, wie gestaltet sich dieser jetzt aktuell?

Leonie: "Ich mache morgens meist erstmal Home-Office, denn ich arbeite normalerweise dreimal die Woche. Das kann ich jetzt auf die ganze Woche verteilen und versuche mich einfach weiter fit zu halten durch Fahrradfahren auf dem Hometrainer oder Krafttraining. An einem Tag mache ich mehr Bauch-Übungen, am anderen Tag mehr Beine. Man hat jetzt genügend Zeit, am Tag einiges an Kraftübungen zu machen und man muss sich auch nicht mehr zurückhalten, weil man übermorgen einen Wettkampf hat."

Du kannst nicht mehr aufs Tuch, hast keinen Zugang mehr zu deinem eigentlichen Sportgerät und musst sozusagen ausweichen. Was macht das mit dir und deinem Leistungsstand?

Leonie: "Ich bin gespannt wie es ist, wenn wir wieder anfangen dürfen. Ich glaube, es wird schon für mich eine Überwindung sein, den einen oder anderen Sprung zu machen nach so einer langen Zeit. Denn normalerweise macht man das tagtäglich und der Körper macht es im Grunde schon von allein und jetzt heißt es halt sich Übungen anzuschauen, versuchen diese nachzufühlen und viel Mentaltraining zu machen. Ansonsten kann ich nichts machen, was dem Trampolinturnen gleichkommt, weil es nichts bringt, auf so einem kleinen Gartentrampolin zu springen. Da kann ich dann auch nicht die Doppelsalti mit der entsprechenden Schraubenanzahl machen."

Wie lange dauert es bis du deinen Trainingsrückstand wieder aufgeholt hast?

Leonie: "Ich weiß nur, dass ich das letzte Jahr mal zehn Tage Pause hatte vom Trampolin. Wann ich so lange wie jetzt nicht trainiert habe, kann ich gar nicht sagen. Nach den zehn Tagen bin ich eigentlich wieder recht schnell reingekommen, aber das ist nochmal etwas anderes. Mittlerweile sind es schon über drei Wochen ohne Trampolin. Ich muss auch sagen, am Anfang fühlt es sich einfach unangenehm an, wieder zu springen. Sonst ist es das normalste der Welt und nach so einer langen Zeit fühlt es sich an, als wäre es was ganz Neues. Ich bin gespannt, wie lange wir wirklich brauchen, wie sich der Prozess gestaltet. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu schnell anfangen zu trainieren und dementsprechend mit Rückenproblemen oder ähnlichem kämpfen müssen."

Vermisst du das Training und das Springen?

Leonie: "Ja, schon. Also ich vermisse nicht nur das Springen, sondern auch das gemeinsame Training mit den Leuten, mit denen ich sonst jeden Tag zusammen bin. Die sehe ich jetzt einfach nicht. Klar, ich habe so gut wie jeden Tag Kontakt zu Aileen Rösler und Matthias Pfleiderer, aber es ist doch nicht dasselbe. Wir haben eigentlich immer die gleichen Ziele und jetzt ist es so, dass wir nicht wissen, was und wann der nächste Wettkampf ist. Es gibt momentan nicht wirklich ein Ziel, auf das wir hintrainieren, da wir nicht auf das Gerät können."

Du hättest noch Wettkämpfe gehabt, die auch Qualifikationsmöglichkeiten für die Olympischen Spiele gewesen wären. Was bedeutet jetzt für dich das Jahr, dass ihr 'gewonnen' habt im Hinblick auf die Spiele?

Leonie: "Im Grunde wäre es ein Weltcup und die Europameisterschaft gewesen, innerhalb derer wir weitere Qualifikationspunkte hätten sammeln können. Ich glaube auch nicht, dass sich am Qualifikationsmodus irgendetwas ändern wird. Es gilt einfach, in der Zeit jetzt fit zu bleiben, auch sich richtig zu ernähren, denn ich will nicht, wenn ich wieder die Chance habe aufs Tuch zu steigen, erstmal abnehmen müssen. All diese Dinge, die man jetzt vorarbeiten kann, gilt es zu tun, damit es wieder richtig losgehen kann, wenn wir in die Halle können."

Die Olympischen Spiele sind verschoben. Wie beurteilst du diese Entscheidung?

Leonie: "Es war die richtige Entscheidung, vor allem für diejenigen, die sich schon qualifiziert haben. Es ist für die Athleten sehr wichtig, das jetzt schwarz auf weiß zu haben, denn die standen unter richtigem Druck in dieser Situation. Es wäre ansonsten niemals eine Chancengleichheit mit den anderen Ländern zustande gekommen."