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RSG-Athletin Daniela Huber im Interview

15.04.2020 08:12

"Ich denke die aktuelle Situation wird unsere Mannschaft nur noch stärker machen."

Daniela Huber | Bildquelle: DTB/Dedicated Sports
Daniela Huber | Bildquelle: DTB/Dedicated Sports

Die Gymnastin Daniela Huber spricht im Interview über ihr Training in den vergangenen Wochen und darüber wie die RSG-Gruppe versucht, langsam wieder zu ihrem gewohnten Training zurückzukehren. 

Ihr habt so lange es möglich war noch als Gruppe gemeinsam am Bundesstützpunkt in Fellbach-Schmiden trainiert. Wie war eure Reaktion, als ihr mitbekommen habt, dass das so nun erstmal nicht mehr möglich sein wird?

Daniela: Wir wussten nicht, wie es weiter geht oder was jetzt passiert und wie lange wir jetzt nicht trainieren dürfen. Zuerst wurden wir für zwei Tage vom Training befreit, das war am 16. März. Ich komme aus dem Saarland und war dann dort bei meiner Familie und auch die anderen Mädels aus Berlin, aus Hessen und aus Ulm waren alle in Deutschland verteilt. Dann wurde daraus noch eine Woche und noch eine Woche und dann kamen natürlich ganz viele Fragen auf: Wie es insgesamt weitergeht, wie es mit Olympia weitergeht und wie es mit der EM weitergeht? Wir waren alle nur sprachlos und hatten tausend Fragen im Kopf und irgendwann kam die Nachricht, dass die Europameisterschaften verlegt wurden, auf ein noch unbestimmtes Datum. Im Moment wissen wir auch noch nicht, wie alles weitergeht. Wir wissen nur, dass Olympia auf 2021 verschoben wurde und dass wir ab dem 15. April wieder in unserer Halle trainieren dürfen, aber mit ganz vielen Regeln und Auflagen, die wir befolgen müssen.

Die Rhythmische Sportgymnastik ist nicht nur ein Individual- sondern auch ein Mannschaftssport. Welche Inhalte müssen gemeinsam im Team trainiert werden?

Daniela: Im Training trainieren wir hauptsächlich an unserer Choreographie beziehungsweise an den zwei Choreographien und dazu braucht man die fünf Mädels zum Turnen und natürlich war das jetzt nicht möglich in der ganzen Zeit. Wir haben uns deshalb auf andere Sachen konzentriert. Das waren zum Beispiel Aufbau, Athletik und Beweglichkeit. Die 2:30 Minuten-Übung ging natürlich nicht, die ganzen Wechsel und das Zusammenarbeiten, die wir sonst immer machen, dafür hat man die Mädels halt nicht und das ist mehr oder weniger ein Problem.

Wie sah euer Training während dem Kontaktverbot aus?

Daniela: In der ersten Woche hatten wir komplett frei mit der Hoffnung, dass wir bald wieder trainieren dürfen. Nach dieser Woche haben wir dann einen Trainingsplan von unserer Trainerin bekommen und hatten täglich zweimal Training. Das erste Training war meistens Aufwärmen oder Ballett, so wie wir es auch immer machen, bevor wir mit unseren Choreos anfangen. Teilweise haben wir es ein bisschen variiert und auch Gerätetechniken mit dazu genommen, damit wir immer noch das Gefühl für die Geräte behalten. Das zweite Training am Tag bestand eher aus athletischen Sachen wie HIT-Workouts oder Joggen gehen. Wir haben auch mal eine Yogastunde gehabt, das war ganz neu für uns und haben wir vorher noch nie gemacht. Teilweise haben wir uns über Video zusammengeschaltet und zusammen trainiert. Unsere Trainerin hat uns korrigiert und die athletischen Sachen im zweiten Training haben wir meistens allein absolviert.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man auf einmal per Video gecoacht wird?

Daniela: Ein bisschen ungewohnt, aber nicht wirklich anders. Wir haben unsere Trainerin alle gehört und gesehen, aber natürlich nicht so, als würde man sie persönlich treffen. Bei dem einen oder anderen gab es ab und zu ein kleines Internet-Problem.

Was macht diese lange Phase des Einzeltrainings mit euch als Gruppe? Wie groß werden die Trainingsrückstände sein?

Daniela: Man hat sich schon über Video gesehen, aber ist halt etwas komplett anderes. Wir waren schon oft in Kontakt und haben gefragt wie es einem geht. Wir freuen uns schon alle uns wiederzusehen. Wie groß die Trainingsrückstände sind, das kann ich gar nicht einschätzen im Moment. Ich bin gespannt, wie das erste Training wird, ob das alles noch klappt mit den ganzen Wechseln und den ganzen Elementen. Von der Erwärmung her fühlt es sich bisher ganz normal an. Bisher habe ich nichts verlernt. Aber natürlich wieder das Gerät zu spüren und den Punkt zu finden an dem man abwerfen muss, damit der andere es exakt fängt, das kann ich momentan gar nicht einschätzen, denn das habe ich einen Monat lang nicht gemacht und bisher hatten wir noch nie eine so lange Trainingspause. Ich weiß gar nicht, wie sich das auf unsere Körper auswirken wird.

Die RSG-Europameisterschaft als letztmögliche Qualifikation für die Olympischen Spiele wurde abgesagt. Was bedeutet das für euch?

Daniela: Natürlich ist man einerseits etwas enttäuscht, weil man wirklich vorbereitet war. Das wäre der Höhepunkt, der jetzt im Mai stattgefunden hätte, und dass es jetzt auf einmal so kurzfristig verschoben wurde, ist halt nicht wirklich angenehmen. Im Moment wissen wir nicht, ob sie noch dieses oder nächstes Jahr stattfinden werden. Jeder ist in der gleichen Situation und ich denke, es wird unsere Mannschaft nur noch stärker machen, weil wir jetzt länger Zeit haben, um zu trainieren und uns auf unseren Höhepunkt vorzubereiten. Bei der Qualifikation müssen wir alle unsere bestmögliche Leistung erbringen.  Dafür haben wir jetzt etwas mehr Zeit, als eigentlich eingeplant war, daher denke ich schon, dass es zu unserem Vorteil sein wird.

Ihr habt nun sehr eingeschränkt wieder die Möglichkeit gemeinsam zu trainieren. Wie sieht das Training dann aus?

Daniela: Unser Training wurde jetzt aufgeteilt. Man darf nur maximal zu fünft in der Halle sein. Das klappt aber nicht, da wir ja sechs Mädels und weitere Trainerinnen sind. Deswegen haben wir das Training aufgeteilt in drei und drei. Das heißt, die ersten drei trainieren mit der Trainerin und dann die nächsten drei. So langsam fangen wir mit dem Training an und irgendwann wird es dann auch wieder zu fünft möglich sein. Camilla Pfeffer hat uns auf alle Fälle schon gesagt, dass wir unsere Hände öfter desinfizieren sollen und generell öfter waschen sollen als sonst. Im Moment dürfen wir nicht wirklich eng beieinander sein, deswegen werden wir erstmal mit Würfen und Wechseln anfangen, um den Abstand einzuhalten und hoffen mit der Zeit irgendwann wieder normal trainieren zu können.

Wenn du einen Blick in die Zukunft wirfst, was erwartet dich dort in diesem Jahr?

Das Jahr wird ziemlich aufregend sein. Wir wissen noch gar nicht, wie es weitergehen soll und es wird spekuliert, dass alle Wettkämpfe in die zweite Hälfte der Saison gelegt werden. Also von August bis November. Normalerweise ist der Saisonhöhepunkt im September. Dieses Jahr fängt die Saison erst im September an und das ist - glaube ich - einmalig. Bisher habe ich noch nicht erlebt, dass die Wettkämpfe länger als September gehen. Wir reisen auch viel, es wird bestimmt spannend sein, eine Stadt oder ein Land im Winter zu erleben, das gab es bei uns bisher noch nicht.