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Conventions und Kongresse

Bewegung – Innovation – Forschung

04.09.2018 13:59

Mehr als 250 Übungsleiterinnen und Übungsleiter, Pflegekräfte, Sportstudierende, Wissenschaftler und andere Interessierte aus Rheinhessen, den umlie-genden Fachverbänden, aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich nah-men an dem Fachkongress für Seniorensport teil, der am 25./26. August in Mainz stattfand. In 1.200 gebuchten Workshop-Plätzen wurde Wissen zu Bewe-gungsangeboten speziell für Ältere vermittelt.

Seniorensport-Kongress 2018 am Institut für Sportwissenschaft | Bildquelle: Rhtb - Prof. Wolfgang Schöllhorn
Seniorensport-Kongress 2018 am Institut für Sportwissenschaft | Bildquelle: Rhtb - Prof. Wolfgang Schöllhorn

„Die Aufgabe der Universität ist es, zu denken, was nicht jeder denkt und zu sehen, was nicht jeder sieht.“ (Schopenhauer)

Mit diesem Zitat eröffnete Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität, den diesjährigen Kon-gress. „Zum ersten Mal haben wir parallel zur Praxis auch die Theorie im Ange-bot und setzten mit unserem Forschungssymposium von Seiten der Wissen-schaft neue Impulse“, betonte er in seiner Begrüßungsrede die besondere Zu-sammenarbeit der diesjährigen Ausrichter. Zum Abschluss forderte der Leiter des Instituts alle Zuhörer auf: „Wer viel liest, denkt mit fremden Köpfen. Werden Sie aktiv, denken Sie selbst.“

Neben Prof. Dr. Schöllhorn begrüßte auch DTB-Vize-Präsidentin Michaela Werkmann die Kongress-Teilenehmer. „Bewegung für Ältere ist ein sehr großes Feld und ich freue mich, dass wir, der Deutsche Turner-Bund, gemeinsam mit dem Rheinhessischen Turnerbund und dem Institut für Sportwissenschaft wieder ein tolles Weiterbildungsangebot mit Tipps und Anregungen für eine altersgerechte Gestaltung von Übungsstunden und Vereinsangeboten auf die Beine stellen konnten“, so die Vize-Präsidentin. „Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Workshops Hilfestellungen für Ihre Vereinsarbeit mit auf den Weg geben. Wir möchten den Menschen, die sich bereits aktiv im Verein bewegen, neue Impulse bieten. Aber vor allem ist es wichtig, dass wir und unsere Vereine auch die Men-schen erreichen, die heute noch inaktiv sind und sich zu wenig bewegen!“

RhTB-Präsident Detlef Mann bekräftigte Werkmanns Aussage: „Es liegt auf der Hand: Mehr Be-wegung fördert die Gesundheit. Es muss uns gelingen, dass diese Tatsache noch mehr in das Bewusstsein der Menschen gelangt!“ Der RhTB arbeitet seit 2012 aktiv in vielen Bereichen rund um das Thema „Aktiv älter werden“ mit und hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Mitgliedsvereinen das Rüstzeug für eine sportliche und seniorengerechte Zukunft mit auf den Weg zu geben. „Wir hoffen, dass wir alle Teilnehmenden mit diesem Kongress dafür begeistern, Sport mit älte-ren Generationen zusammen zu betreiben und zu gestalten. In Deutschland ist bereits mehr als jeder Fünfte über 65 Jahre alt. Es wird in Zukunft immer mehr darum gehen, generations-übergreifende Angebote zu entwickeln und zugänglich zu machen“, war sich Mann sicher.

Nützliche Tipps, interessante Anregungen, neue Erkenntnisse und eine gute Mischung aus Wissenschaft und Praxis

An beiden Kongress-Tagen präsentierten über 30 Referentinnen und Referenten in knapp 60 Praxis-, Theorie-und Forschungs-Workshops neueste Erkenntnisse und Entwicklungen der al-tersgerechten Bewegungsprogramme. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten viele nützliche Tipps und fundierte, fachliche Hilfestellungen für die Gestaltung ihrer Übungsstun-den und Vereinsangebote. Die Themenbandbreite reichte vom Sturzprophylaxe-Training, Ge-hirntraining durch Bewegung und Demenzprophylaxe-Training über Selbstverteidigung und Selbstbehauptung, Aerobes Fitnesstraining 60+ bis hin zu Pilates für die jungen Älteren, Gateball, Cornhole, Kaha®, Aroha®und Tanz. Allein die drei Kurse zum modernen Rückentrai-ning fanden gut 80 Interessierte an den beiden Tagungs-Tagen.

„Niemand möchte älter werden, aber jeder wünscht sich ein lan-ges Leben!“

Neben dem Seniorensport-Kongress hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer samstags die Möglichkeit, die Podiumsdiskussion zum Thema „Verein-Alter-Zukunft“ zu besuchen. Hier diskutierten Prof. Dr. Michael Kolb (Sportwissenschaftler an der Universität Wien), Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn (Forschung Universität Mainz), Marina Scherrer (RhTB-Vize-Präsidentin GYMWELT) und Michaela Werkmann (DTB Vize-Präsidentin Allgemeines Turnen) darüber, wie sich Vereine auf die zunehmend alternde Gesellschaft einstellen können.

„Wir können nicht sagen, ab wann jemand alt ist. Jedoch sollte es in einer Gesellschaft für Men-schen jeden Alters sinnvolle Beschäftigungen und Tätigkeiten geben“, so Prof. Dr. Michael Kolb. Der Wiener Sportwissenschaftler wies dabei auf den 7. Altenbericht der Bundesrepublik hin, in dem es unter anderem heißt: …Soziale Teilhabe ist eine Grundvoraussetzung für ein menschenwürdiges Da-sein. Die Förderung und der Erhalt von Zugehörigkeit und Teilhabe müssen deshalb ein grundlegendes Ziel einer Politik mit und für ältere Menschen sein. Soziale Teilhabe setzt voraus, dass sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen können, dass sie für andere erreichbar sind, dass sie soziale Kontakte und einen Austausch mit anderen pflegen können, dass sie kulturelle Angebote wahrnehmen können…. „Genau hier, in der sozialen Teilhabe, leistet der Sport einen enormen Beitrag“, so Kolb.

„Wir müssen es schaffen, dass in den Köpfen der Menschen ein Umdenken stattfindet. Statt zu denken: Ich habe einen Rollator – ich bin alt, sollten die Menschen sich freuen und sagen: Ich habe einen Rollator – ich bin viel mobiler“, unterstützte Marina Scherrer Kolbs Aussagen. Dieser war sich sicher: „Man kann Ältere in Bewegung bringen. Schafft bedarfsgerechte Angebote. Keine Angebote speziell für Senioren, sondern Angebote, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richten. Es ist wurscht, wie alt man ist.“

„Wir können Knie und Hüfte auswechseln, aber wir bereiten uns nicht darauf vor, diese Dinge zu verhindern.“

Mit diesen Worten machte Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisation e.V., BAGSO) deutlich, wie wichtig es ist, frühzeitig das Bewusstsein für Bewegung zu schaffen. „Es wird in der Schule kein Fach so schnell gestrichen wie Sport. Hier liegt bereits der Fehler. Eine bessere Prävention als kontinuierliche Bewegung – am bes-ten in der Gemeinschaft- gibt es nicht“, so der BAGSO-Vorsitzende.

„Laufen gegen Depression“

Auch der zweite Kongress-Tag beinhaltete einen zentralen Vortrag mit dem Thema „Laufen gegen Depression“. Susanne Herbel-Hilgert, stellvertretende Geschäftsführerin der Landeszent-rale für Gesundheitsförderung (LZG), machte ihn Ihrem Vortrag deutlich, dass Laufen mehr ist als Sport und Bewegung. „Laufen hat auch positive Auswirkungen auf die Seele“, erklärte Herbel-Hilgert. „Besonders Menschen mit einer leichten bis mittleren Depression fühlen sich wohler, wenn sie körperlich aktiv sind.“ Interessierte Vereine oder Übungsleiter können sich bei Bedarf und Fragen rund um das Thema direkt an die LZG unter www.lzg-rlp.de wenden.

Mit dem Ergebnis des bundesweit einzigartigen Seniorensport-Kongresses sind DTB, RhTB und das Institut für Sportwissenschaft sowie alle beteiligten Partner zufrieden. Detlef Mann, Präsi-dent des RhTB, zog am Ende des zweiten Tages Résumé: „Der Kongress mit seinen spezifischen Bewegungsangeboten, mit den aktuellen Vorträgen und mit der Kombination aus Praxis, The-orie, Wissenschaft und Forschung speziell für die Zielgruppe „Ältere“ war auch in diesem Jahr-wieder eine Veranstaltung, die kaum Wünsche offen gelassen hat. Innovation – Bewegung – Forschung waren hier nicht nur im Titel zu finden – das war das Programm.“

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