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Fitness und Gesundheit

Interview mit Corinna Saric - Gewinnerin #BeActive Local Hero Award

30.10.2018 15:47

Wenn zwei Organisationen zusammenarbeiten und dadurch neue Potentiale genutzt werden können, dann zahlt sich das oftmals aus. Ein Beispiel ist die Verleihung des Local Hero Award an Corinna Saric von Aktion Pink Deutschland, die bei der Europäischen Woche des Sports eng mit dem DTB kooperiert haben.

#BeActive Local Hero Award | Bildquelle: Europäische Kommission
#BeActive Local Hero Award | Bildquelle: Europäische Kommission

Frau Saric, Sie halten den #BeActive Local Hero Award in Händen. Das Ergebnis für viel harte Arbeit und einem gelungenen 19. Race for Survival bei der Europäischen Woche des Sports 2018 in Frankfurt am Main. Was ist das für ein Gefühl, für das Engagement zum Thema Brustkrebs geehrt zu werden?

Die Generalsekretärin des DTB, Frau Michaela Röhrbein beschrieb es auf der RaceBühne sehr treffend: Die Arbeit von Aktion Pink Deutschland e. V. und der Race for Survival als Motivationslauf gegen den Brustkrebs, verkörpern vollumfänglich die Leitsätze des DTB, denn wir beweisen seit 19 Jahren mit unserem Engagement, dass Gesunderhaltung und Genesung am besten durch „BeActive“ gelingt. Von den 290 „Survivor“ *, die am 23. September beim Frankfurter Race unter den 3.000 Teilnehmer/innen an den Start gingen, sind Partner, Kinder, Familienangehörige, Freunde und Kollegen dabei. Es geht also nicht „nur“ um 70.000 Frauen und 700 Männer, die jedes Jahr die Diagnose „Brustkrebs“ erhalten, sondern um viele Menschen in deren Umfeld und wenn wir auch nur 1 Survivor motivieren könnten, den Fokus weg von der Erkrankung, hin zur Genesung zu setzen, dann wäre dies für unsere Arbeit ausreichend, wäre es die höchste Freude für uns. Deshalb widme ich diese kostbare Ehrung von Herzen gerne all unseren Survivor.

Der #BeActiv Local Hero Award wird an Personen vergeben, die eine persönliche Geschichte zu erzählen haben? Wie sieht Ihre ganz persönliche Geschichte zum Thema #BeActive aus?

Ich habe meine Großmutter und Tante an den Brustkrebs verloren. Als meine Mutter 1990 an Gebärmutterhalskrebs erkrankte und trotz der frühzeitigen Erkennung, erfolgreicher OP und sehr guten Genesungsprognosen nur wenig Initiative zeigte, gesunden zu wollen – mein Vater war ein Jahr vorher unerwartet gestorben und die Ärzte vermuteten, dass sie ihm nachfolgen wollte -, wussten mein 10 Jahre jüngerer Bruder und ich uns keinen Rat mehr und haben ihr am Krankenbett die „Freigabe“ erteilt, uns im Stich zu lassen, wenn sie vorziehen würde, aus Liebe dem Vater nachzufolgen. Wir hatten uns dann lieb von ihr verabschiedet und sind gegangen. Wir spürten förmlich, dass sie am Fenster stand und uns nachblickte, als wir über den Krankenhaushof gingen, haben aber nicht zurückgeblickt. Als wir zu Hause angekommen waren, hatte sie schon mehrfach versucht, uns telefonisch zu erreichen – wir hatten noch kein Mobilphone. Sie schimpfte temperamentvoll auf uns ein... Ihre Verzweiflung war wie weggeblasen, die Entmutigung kaum noch zu ahnen. Die Ärzte applaudierten ihr wie uns, denn sie hatte sich wochenlang vehement geweigert, aufzustehen. Zwei Stunden später fuhr sie aufgebracht mit dem Taxi vor, kam nach Hause, pflegte sich ausgiebig, machte sich wie gewohnt chic, kaufte sich zwei Tage später ein Fahrrad, meldete sich beim Gesangsverein an, wir veränderten gemeinsam unseren Speiseplan, sie und ich gewöhnten uns von heute auf morgen das Rauchen ab und wir Drei hatten noch wunderbare, glückliche, gemeinsame 25 Jahre. Sie war bis zum Schluss „fit wie ein Turnschuh“. Wer „liegen bleibt“, hat keine Chance! Das ist meine ganz persönliche Geschichte, wenn es um „BeActive“ und „Aktion Pink Deutschland“ geht.

Als Gast konnten Sie bei der Preisverleihung in Sofia einen Einblick in die Organisation und Vernetzung der Länder und der EU-Kampagne „Europäische Woche des Sports“ gewinnen. Haben Sie den Eindruck, dass durch die Kampagne mehr Menschen motiviert werden, sich zu bewegen oder sogar einen Anreiz finden, damit anzufangen?

In jedem Fall! Aber blicken wir nur mal auf Deutschland. Auch hier gibt es noch etwas zu tun und es sollten sich noch mehr Mitbürger moderat sportlich betätigen. Aber wir haben „paradiesische“ Zustände, wenn man die Zahlen anderer Länder betrachtet. Es gibt Regionen, wo sich – aufgrund der schwierigen Lebensumstände – 80 Prozent der Bevölkerung sportlich nie betätigt. Gesundheit und Wohlbefinden geht uns alle an. Ich liebe Europa und wünsche mir sehr, dass wir mit der Kampagne „BeActive“ unter der Federführung des DTB in Deutschland die Gesundheit aller in unserem Land stärken, ebenso wie die EU-Mitgliedsstaaten und wir dadurch gemeinsam erfolgreich eine lebenswerte Zukunft gestalten. Ich möchte an dieser Stelle ganz besonders den Einsatz von Katrin Jaenicke erwähnen, da sie mich energisch und mit Durchhaltevermögen motiviert hat, die Informationen zu unserer Arbeit vorzulegen, denn ich war gar nicht amused darüber, dass ich mich irgendwo „bewerben“ sollte. Erstens, weil ich ohne die vielen Helfer – insbesondere nicht ohne die großartige Unterstützung meines Mannes, der Vorstandsvorsitzender unseres Vereins ist – so große Events organisieren könnte und zweitens, weil es mir zeitlich vor unserem Frankfurter Race so gar nicht in die Planung gepasst hat. Deshalb bin ich Frau Jaenicke so dankbar, dass sie nicht locker gelassen hat! Auch zu sehen, wie gut Frau Jaenicke mit allen ausländischen Organisatoren vernetzt ist und welchen Stellenwert sie – und damit auch Deutschland – in diesem Kreis hat, hat uns sehr gefreut, denn wir sind sicher, dass Frau Jaenicke den Deutschen Turner-Bund im In- und Ausland sehr gut vertritt. Es ist eine Community von jungen Leuten, die „BeActive“ europaweit präsentieren und Frau Jaenicke ist sehr beliebt. Kann uns etwas besseres passieren, als dass wir Deutschen in der Welt gern gesehen werden! Ich hatte ein paar kurze Gespräche mit den Mitbewerbern und den europäischen Sportverantwortlichen und ich hatte den Eindruck, dass man uns den Preis von Herzen gönnt, weil man unsere Arbeit sehr schätzt.