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Gerätturnen

Sophie Scheder: „Ich wollte immer unbedingt weitermachen."

29.09.2018 09:05

Nach ihrem Gewinn der Olympischen Bronzemedaille 2016 kämpfte Sophie Scheder fast zwei Jahre lang mit Verletzungen.

Sophie Scheder | Bildquelle: Picture Alliance

Zuletzt hinderte sie ein Sehnenriss am Finger an der EM-Teilnahme in Glasgow. Nun ist die 21-Jährige zurück in der Turnhalle und trainiert hart, um sich bei den Deutschen Meisterschaften für die WM in Doha zu qualifizieren. Im Interview berichtet die Wahl-Chemnitzerin vom Trainingsalltag der letzten Monate und erzählt, was sie sich für die kommenden Wettkämpfe vorgenommen hat.

Sophie Scheder,  die EM-Qualifikation in Chemnitz war dein erster großer Wettkampf nach fast zweijähriger Pause. Kurz danach hast du dich am Finger verletzt und musstest erneut pausieren. Was war dein erster Gedanke nach der Diagnose?
Am Anfang dachte ich, dass ich es trotzdem noch zur EM schaffen werde. Unmittelbar nach der Verletzung stand noch gar nicht fest, dass es so gravierend ist, weshalb ich erste einmal weiter trainiert habe. Als ich danach einen Arzttermin hatte, geröntgt wurde und von einer OP die Rede war, habe ich erst begriffen, was das für mich bedeutet. Die Frage nach dem Warum habe ich mir natürlich häufig gestellt.

Gab es Momente, in denen du ans Aufhören gedacht hast?
Nein, den Gedanken hatte ich in den letzten zwei Jahren nie. Natürlich war es manchmal für die Psyche nicht einfach, aber ich wollte immer unbedingt weitermachen. Am nächsten Tag nach der Diagnose meines Fingers habe ich wieder positiv gedacht, weil ich wusste, dass es mir nichts bringt, mich zu verstecken. Deshalb habe ich direkt nach vorne geschaut und hatte umso mehr Zeit, um mich voll und ganz auf die WM in Doha vorzubereiten.

Hast du die EM trotzdem verfolgt?
Ich habe alles, was im Fernsehen gezeigt wurde, geschaut. Es war schon etwas Wehmut dabei, weil ich mir im Vorfeld insbesondere am Barren Finalchancen ausgerechnet habe. Aber natürlich habe ich den anderen deutschen Mädels trotzdem die Daumen gedrückt.

Wie sah dein Training in den letzten Monaten aus?
In erster Linie ganz viel Reha, pro Tag um die sechs Stunden. Danach habe ich in der Turnhalle das versucht, was irgendwie möglich war bzw. meinen Finger nicht beansprucht hat, um weiterhin in der Hallenluft trainieren zu können.

Die Trainingsumstände in Chemnitz sind im Moment etwas anders.
Genau, unsere Halle wird im Moment modernisiert. Wir haben unsere Geräte in einem Teil einer Sporthalle stehen, die für den Schulsport oder von Vereinen genutzt wird. Lediglich für das Sprung- und Akrobatiktraining müssen wir in die Männerhalle ausweichen. Da wir relativ viele Turnerinnen sind, ist es immer ziemlich laut und logistisch ein großer Aufwand. Aus diesem Grund fahren wir montags und freitags immer zu einer Halle in Leipzig.

Dann werden die Deutschen Meisterschaften ein echtes Heimspiel für dich sein.
Ich bin richtig happy, dass die Deutschen Meisterschaften dieses Jahr in Leipzig stattfinden. Es ist total schön, dass dadurch auch viele Freunde und Bekannte von mir zuschauen können, ohne weit reisen zu müssen.

Was hast du dir für die DM vorgenommen?
Ich will auf jeden Fall im Mehrkampf starten, also an allen Geräten turnen, und mich damit für die WM in Doha qualifizieren. Ich möchte zeigen, dass ich an allen Geräten absichern kann, wenn die Mannschaft mich braucht, aber natürlich konzentriere ich mich insbesondere auf mein Paradegerät, den Stufenbarren.

Hast du dir eine bestimmte Platzierung als Ziel gesetzt?
Für mich ist es in diesem Jahr erst einmal wichtig, dass ich mich im internationalen Bereich blicken lasse und dass ich wieder in das Geschehen reinkomme. Aber wenn ich es zur WM schaffe, möchte ich natürlich auch zeigen, dass ich in den letzten Jahren hart trainiert habe. Wenn es dann am Ende für das Stufenbarren-Finale reicht, bin ich sehr happy.

In Doha könnt ihr euch mit der Mannschaft für die Heim-WM in Stuttgart 2019 qualifizieren. Ist dieses Ereignis schon in deinem Hinterkopf?
Auf jeden Fall. Ich denke schon viel an die WM 2019, weil ich mich riesig darauf freue. 2007 war ich mit meinem alten Verein als Zuschauerin in der Halle und seitdem ist es ein großer Traum von mir bei so einem Wettkampf in der Heimat starten zu dürfen. ich hoffe sehr, dass ich dann dort im Team sein werde und wir gemeinsam Geschichte schreiben können.

Neben dem Turnen bist du Botschafterin für die Europäische Woche des Sports. Was genau ist das?
Die Europäische Woche des Sports ist eine Initiative der EU, bei der es darum geht die Menschen in Europa für ein aktiveres Leben zu begeistern. Alleine in Deutschland gibt es vom 23. bis 30. September 2018 unter dem Motto #BeActive über 400 Veranstaltungen.

Weshalb hast du dich dafür entschieden, dieses Projekt zu unterstützen?
Ich finde es sehr wichtig, dass jeder Mensch, egal ob sportlich oder nicht sportlich, etwas für seinen Körper tut. Nicht jeder muss mit dem Leistungssport anfangen, aber ein bisschen Bewegung hält fit und macht vor allem viel Spaß. Aus diesem Grund bin ich Botschafterin geworden, weil ich es liebe, Leute zu motivieren und zu ermutigen, mehr Sport zu treiben. Ich freue mich sehr, Teil dieser Kampagne zu sein.

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