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Team Gerätturnen

Felix Remuta im Porträt

29.07.2019 08:05

„Es spielt schon eine große Rolle, wenn es einer aus dem eigenen Verein bis ganz nach oben schafft“.

Erst mit 14 ganz dem Turnen gewidmet

Für den Leistungssport hatte Felix Remuta sich relativ spät entschieden. Dabei führte der Weg des heute 21-Jährigen schon früh in die Turnhalle. Seine Mutter ging mit ihm in Bad Tölz zu den Eltern-Kind-Stunden, und schnell war das Talent des Sprösslings erkannt. Bei den Oberbayerischen Meisterschaften wurde der Schüler für einen Wechsel zum TSV Unterhaching gescoutet, wo ihm weitaus bessere Bedingungen zur Verfügung standen. Doch obwohl er das Angebot annahm, war Remuta nicht davon überzeugt, dass er dorthin streben würde, wo er mittlerweile gelandet ist. „Mit 13, 14 hatte ich auch andere Dinge im Kopf als Sport“, sagt er. Zudem versuchte sich der bewegungsaffine Jugendliche in weiteren Disziplinen wie Eishockey, Tennis oder Fußball. Als er mit 14 bei den deutschen Jugendmeisterschaften  erstmals am Sprung gewann, da war jedoch „der Punkt erreicht“, an dem die Entscheidung für die Karriere an den Geräten fiel.

Remutas Stärken

Der Sprung, aber auch der Boden, das sind die ganz großen Stärken des jungen Mannes. „Ich bin einerseits ein schnellkräftiger Typ“, erklärt Remuta seine Begabung dafür. „Aber auch koordinativ in der Luft recht gut.“ Vor allem Längsachsendrehungen liegen ihm. Am Boden gefällt ihm besonders die Variabilität. Der Sprung, das ist „nur einmal über den Tisch“, da lasse sich nicht viel gestalten. Trotzdem verdankt der gebürtige Holzkirchner diesem am schnellsten zu absolvierenden Turngerät seine bislang größten Erfolge. 2018 und damit nur zwei Jahre nach seinem Abschied aus den Nachwuchsklassen wurde er dort erstmals deutscher Meister bei den Männern, sicherte sich im gleichen Jahr beim Gymnastics Competition im japanischen Aichi als Dritter seine erste internationale Medaille und schrammte als jeweils dritter Ersatz bei seinen beiden bisherigen Europameisterschaftseinsätzen 2017 in Cluj und 2019 in Stettin nur knapp an den Finals vorbei.  


In Polen war das für den Jugend-Europameisterschaftsdebütanten von 2016 auch deshalb sehr bemerkenswert, da er sich während der Vorbereitung und nur eine Woche vor dem Wettkampfstart am Boden eine Verletzung am linken Fuß zugezogen hatte. Zwei Bänder waren gerissen, zwei Sehnen ebenfalls betroffen. Die medizinische Abteilung gab Remuta dennoch für einen EM-Einsatz frei, obwohl er ein paar Tage lang auf das Training an seinen Paradegeräten verzichten musste. Zudem ließ er am Sprung den Dragulescu weg und zeigte den Doppelsalto stattdessen ohne Schraube, nur als Roche, und damit einen Vortrag mit niedrigerem Ausgangswert.

Nguyen als Vorbild

Bis zur Weltmeisterschaft in Stuttgart soll das schwerere Element wieder sitzen. In der Schleyer-Halle für Deutschland zu starten, „damit würde ein Traum für mich in Erfüllung gehen“, sagt Remuta. Die WM-Teilnahmen 2017 in Montréal und 2018 in Doha hatte er verpasst, obwohl sein persönlicher Vorteil darin besteht, dass er dem Team von Bundestrainer Andreas Hirsch an zwei Geräten helfen kann, an denen die Riege zuletzt schwächelte. Remuta nimmt sich in die Pflicht: „Das waren Rückschläge, an denen ich selbst schuld war.“ Denn in den Qualifikationen habe er nicht die Leistung gebracht, die er von sich erwartet hatte. „Aber es bringt nichts, sich darüber aufzuregen“, sagt der selbstkritische Athlet. Viel lieber blickt er nach vorne und legt sich ins Zeug, um sich einen Platz bei der auch als Olympiaqualifikation für die Spiele 2020 in Tokio geltenden WM zu sichern. Es wäre für Remuta nicht nur die Premiere auf diesem Niveau, sondern auch ein Heimspiel. Denn nachdem er sein Abitur in München abgelegt hatte, gefolgt von einem Freiwilligen Sozialen Jahr beim Bayerischen Turnverband, übt er gemeinsam mit seinem Clubkollegen Marcel Nguyen im Stuttgarter Kunstturnforum Schwünge und Sprünge. Der zehn Jahre ältere Olympiazweite von London war für den Nachwuchsmann schon lange ein Vorbild gewesen, auch wenn sich die beiden früher gar nicht oft sahen. „Es spielt schon eine große Rolle, wenn es einer aus dem eigenen Verein bis ganz nach oben schafft“, sagt Remuta. Das stärkt den Glauben daran, was auch für einen selbst möglich sein mag. Noch sind, zumindest im Mehrkampf, die Positionen klar verteilt. „Aber ich weiß, dass meine Generation den Älteren Druck machen soll“, und eines Tages, davon ist Remuta überzeugt, werde es so weit sein, dass er zumindest einige überholt, die jetzt noch vor ihm stehen.

Dank Trainer Mängel aufgeholt

Obwohl er sich selbst „einen Mangel an Grundlagen in jungen Jahren“ bescheinigt, die der eigenen, anfangs etwas lockeren Haltung gegenüber dem Sport geschuldet gewesen sei, konnte sich Remuta später in Unterhaching gut entwickeln. Seinem dortigen Trainer, dem früheren Studenten-Weltmeister und EM-Zweiten am Pauschenpferd, Kurt Szilier, verdankt er das. Am Barren, wo die beiden anderen Unterhachinger im DTB-Team, Nguyen und Lukas Dauser, herausragen, war Remuta zweimal deutscher Jugendmeister. Doch um aufzuschließen, fehlt ihm noch ein Stück.

Zweites Standbein

Für jeweils vier Monate im Jahr kehrt er in seine Unterhachinger Trainingsstätte zurück. Von Oktober bis Januar ist der angehende Polizeimeister zur Ausbildung im nahe gelegenen Dachau gefragt. Fünf Jahre lang wird er Sport und Berufslaufbahn so miteinander verbinden. „Als Turner darf man nicht mit einem großen Geldsegen rechnen“, sagt Remuta. Aber es gebe auch nicht viele Möglichkeiten, den sehr intensiven sportlichen Werdegang mit einer guten Perspektive für die Zukunft zu verbinden. Deshalb hatte er sich als Polizist beworben. „Für mich war das die beste Wahl.“ Wenn man mal von der Entscheidung für den Leistungssport absieht.  

Katja Sturm

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